Ich begleite (sterbende) Menschen. Junge Menschen in der Hospizarbeit

Ohne ehrenamtliches Engagement hätte sich die Hospizarbeit in Deutschland nicht etabliert - und ohne dieses wichtige und spannende Ehrenamt ist sie auch in Zukunft nicht denkbar. Uns ist es wichtig, dass das hospizliche Ehrenamt so vielfältig wie unsere Gesellschaft ist. Wir möchten mehr Männer dafür begeistern, mehr Menschen mit Mitgrationserfahrung und noch mehr junge Menschen.

Denn es gibt sie schon, die 18- bis 30-jährigen Hospizbegleiter:innen. In unserem Film "Ich begleite (sterbende) Menschen." zeigen wir, wie das aussehen kann. Das Drehbuch zum Film haben wir zusammen mit jungen Menschen geschrieben, die sich bereits in der Hospizbegleitung engagieren.

Mit einem Klick auf das Bild geht es zum Film.

Till engagiert sich ehrenamtlich bei einem Hospizdienst. Einmal in der Woche trifft er Johanna, die unheilbar krank ist. Für beide sind das gute und besondere Stunden, in denen sie gemeinsam etwas unternehmen, über Alltägliches und Existentielles sprechen und ja - Spaß haben!

Alle, die sich ehrenamtlich in der Hospizbegleitung engagieren, schöpfen aus diesem Ehrenamt Energie und das Wissen um die existentiellen Dinge im Leben.

Informiere dich über dieses wichtige, erfüllende und spannende Ehrenamt, denn:

Du kannst das auch!

Erfahrungsberichte

Liane

Alter: 29
Ehrenamtlich als: Sterbebegleiterin

Was sind deine Aufgaben in der ehrenamtlichen Hospizbegleitung?
Ich biete an, in der Regel einmal wöchentlich zu kommen und mich der zu begleitenden Person zu widmen und das zu tun, wonach ihr ist und was sie braucht. Das kann ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein Gesellschaftsspiel sein, zuhören, miteinander reden oder einfach nur da sein. Dabei kann das Thema Tod und Sterben Gegenstand sein, muss es aber nicht.

Wie bist du auf das hospizliche Ehrenamt aufmerksam geworden?
Ich habe eine Info zum einem Vorbereitungskurs zur Sterbebegleitung gesehen, das hat mich neugierig gemacht. In einem Vorabgespräch habe ich dann mit einer der Koordinatoren über mein Interesse, meine Erwartungen und mögliche Aufgaben gesprochen und mich anschließend für den Kurs entschieden.

Was fällt dir leicht?
Vollkommen offen bei jedem Besuch zu sein. Wie der Zustand, die Laune und das aktuelle Bedürfnis des Menschen, den ich begleite, sind, weiß ich vor dem Besuch nicht. Ich lasse mich bei jedem Besuch wieder neu drauf ein.

Womit hast du nicht gerechnet?
Ein (teils sehr großer) Altersunterschied stellt absolut keine Hürde dar! Ich habe bislang ausschließlich deutlich ältere Menschen begleitet und erlebt, dass das kein Hindernis in der Begleitung ist, sondern im Gegenteil für beide Seiten eine Bereicherung sein kann. Ich habe während meiner Sterbebegleitungsausbildung gelernt und erlebt, was man für dieses Ehrenamt braucht. Das ist vollkommen altersunabhängig.

Was bringst du mit?
Zeit und Aufmerksamkeit, die ich dem Sterbenden voll und ganz widme und die Haltung, dass es in der Begleitung einzig und allein um die Wünsche und Bedürfnisse des Sterbenden geht. Ich nehme mich da vollkommen zurück.

Was nimmst du mit?
Ich erfahre durch mein Ehrenamt einen großen Mehrwert für mich selbst. Ich darf ganz unterschiedliche Menschen, ihre Leben, Wünsche, Gedanken kennenlernen und das bereichert mein eigenes Leben sehr und erweitert meinen persönlichen Horizont. Die regelmäßigen Supervisionen, in der wir Ehrenamtlichen über unsere Begleitungen und die Erlebnisse sprechen, lassen mich zusätzlich lernen.

Christine

Alter: 32
Ehrenamtlich als: Sterbebegleiterin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Was sind deine Aufgaben?
Ich begleite Erwachsene, Kinder und Jugendliche. D.h. ich besuche die Menschen zuhause und wir unternehmen etwas, gehen spazieren, Eis essen oder sprechen einfach über dies und das, je nachdem was es gerade braucht. Neben den Begleitungen nehme ich an Supervisionen teil, die vom Hospizverein angeboten werden. Auch sonst gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich immer mal wieder am Vereinsleben zu beteiligen und dieses mitzugestalten, z.B. durch Anregungen zu Veranstaltungen (Lesungen, Konzerte …), in der Öffentlichkeitsarbeit bei Info-Tagen oder bei der jährlichen Gedenkfeier für die Angehörigen der in diesem Jahr begleiteten und verstorbenen Menschen. Dort habe ich die Einladungskarten mitgestaltet, an der Planung und Durchführung des Nachmittags mitgewirkt.

Wie bist du auf das Ehrenamt aufmerksam geworden?
Durch Zufall. Nach einem Arbeitstag war ich abends eine Runde spazieren und habe aus Neugier mal in den Info-Kasten der Evangelischen Gemeinde neben einer Kirche geschaut. Im Kasten hing ein Aushang mit der Info zu einem neuen Ausbildungskurs für die Ausbildung als ehrenamtliche Sterbebegleiterin. Ich konnte mir erst mal nicht so richtig was darunter vorstellen. Da ich gerade auf der Suche war nach neuen Möglichkeiten mich zu engagieren, bin ich mal hin und habe es mir näher angeschaut.

Was fällt dir leicht?
Offen in die Begleitungen zu gehen. Jede Begleitung ist anders und ich bin immer wieder aufs Neue gespannt, was für eine Situation, was für ein Mensch mich nun erwartet und wie es so wird. Der Rahmen des Ehrenamts und der Verein im Hintergrund mit den Ansprechpersonen, die ich dort jederzeit habe, sind für mich eine gute und sichere Unterstützung, die es mir leicht macht, in die Begegnungen zu gehen.

Womit hast du nicht gerechnet?
Wie einfach es manchmal sein kann und wie bereichernd das sein kann. Es kann ein total blöder Tag sein, gefühlt geht alles schief, ich komme zu spät und wenn ich dann da bin, ist einfach alles gut. Auch herausfordernde Momente wie ein erster Besuch, ein Besuch nach einer längeren Pause, ein plötzlich intensiv werdendes Gespräch … . Bei mir ist dann immer ein bisschen Aufregung dabei, die sich nach dem ersten herausfordernden Moment auch wieder legt und dann geht es einfach weiter.

Was bringst du mit?
Ich denke, ich bringe Ruhe mit. Die Bereitschaft mich einlassen zu können auf mein Gegenüber, zuhören zu können und meinen Kram, meine Gedanken für die Zeit der Begleitung hinten anzustellen und einfach mal Kram und Gedanken sein zu lassen. Und ich bringe Lust mit und auch eine Art spielerische Neugier, Menschen kennenzulernen.

Willst du später in diesem Bereich arbeiten?
Das ist bisher nicht geplant. Aber seit dem ich ehrenamtlich Menschen begleite, denke ich hin und wieder darüber nach. Hauptamtlich in dem Bereich zu arbeiten, ist allerdings schon nochmal was anderes. Ich finde es im Moment sehr gut, ehrenamtlich tätig zu sein und genieße das auch.

Was nimmst du mit?
Ich nehme Begegnungen mit Menschen und Erfahrungen mit, die ich sonst in meinem Alltag wahrscheinlich nicht kennenlernen würde. Die Ausbildungskurse waren super, die Menschen, die Inhalte. Auch die Fortbildungsmöglichkeiten sind immer wieder spannend. Ich habe Einiges gelernt – auch über mich. Es macht Spaß und es ist bereichernd auch wenn es mich immer mal wieder auch herausfordert.

Häufige Fragen

Was genau macht man in der ehrenamtlichen Hospizbegleitung?

Die meisten der ehrenamtlichen Hospizbegleiter:innen sind direkt für schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Zugehörigen da. Sie verbringen mit ihnen Zeit, meist einmal pro Woche für einige Stunden, und gehen auf ihre Wünsche und Bedürfnisse ein. Konkret können das Gespräche sein, gemeinsames Kochen, Ausflüge und anderes mehr.

Werde ich auf die Begleitung sterbender Menschen vorbereitet?

Alle Ehrenamtlichen werden in speziellen Kursen auf die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen vorbereitet. Auch wenn die konkrete Ausgestaltung variieren kann, so geht es zum einen um die persönliche Auseinandersetzung mit den Themen „Leben, Trauern, Sterben und Tod“, zum anderen um die Bedürfnisse von Menschen am Lebensende und wie man diesen gerecht werden kann.

Wie groß ist der Zeitaufwand für das Ehrenamt?

Wie für jedes Ehrenamt sollte man auch hier bereit sein, ein gewisses Maß an Zeit zu investieren. Und gerade in der Sterbebegleitung ist es gut, regelmäßige und feste Zeitfenster anbieten zu können, damit zum einen der Hospizdienst mit dir planen kann und zum anderen damit der Mensch, der begleitet wird, Sicherheit und Verlässlichkeit im Alltag spürt. Üblich ist ein Termin in der Woche für zwei bis drei Stunden. Neben der Bereitschaft, diese Zeit und Verbindlichkeit mitzubringen, ist vieles auch individuell und kann mit dem jeweiligen Hospizdienst abgesprochen werden. Darüber hinaus gibt es neben der Sterbebegleitung auch andere Tätigkeitsbereiche mit anderen Anforderungen.

Kann ich mich auch anderweitig in einem Hospizdienst / Hospiz engagieren?

Auch jenseits der direkten Begleitung kann man sich in vielfältiger Weise im Hospiz oder für einen Hospizdienst engagieren, zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit (Homepage, soziale Medien, Informationsveranstaltungen) oder in der Küche eines stationären Hospizes, am Empfang oder im Garten.

Gibt es ein Zertifikat über die ehrenamtliche Tätigkeit?

Die Hospizdienste bescheinigen die Teilnahme am Kurs, der dich auf das Ehrenamt vorbereitet. Dort sind die inhaltlichen Themen und erworbenen Kompetenzen aufgeführt. Wie ein Zertifikat bzw. eine Bescheinigung über die ehrenamtliche Tätigkeit aussieht, muss mit dem jeweiligen Hospizdienst besprochen werden.

Kann ich mir während einer Begleitung Rat holen?

Jederzeit! Für die Begleitenden stehen in den Vereinen und Initiativen Koordinator*en zur Seite, die bei Fragen, Unsicherheiten und Redebedarf jederzeit für dich da sind. Auch die Supervision ist eine Möglichkeit, sich Rat und Meinung von anderen Ehrenamtlichen einzuholen. Wir unterstützen uns gegenseitig.

Bin ich immer und durchgängig in Begleitungen?

Nach einer abgeschlossenen Begleitung kann jede*r entscheiden, wie lang sie/er Pause machen will und wann der richtige Zeitpunkt ist, wieder einen Menschen zu begleiten. Dabei ist das Wichtigste, auf sich selbst zu hören. Auch die Koordinator*innen stehen bei dieser Entscheidung mit Rat und Erfahrung zur Seite.