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Spirituelle Begleitung

Der Begriff der Spiritualität ist in der Begleitung Sterbender von großer Bedeutung. Im Angesicht des Todes, werden bei allen Beteiligten, Gefühle ausgelöst und Denkprozesse angestoßen, die sich sowohl mit der Tatsache der eigenen Vergänglichkeit, als auch mit Fragen der individuellen Glaubensvorstellungen beschäftigen. Ein Bewusstsein über die Absolutheit des Todes ist bei vielen Menschen mit Angst, Schrecken und Abwehr verbunden.

Hier bieten die unterschiedlichen kulturell bedingten religiösen und weltanschaulichen Konzepte den Rahmen, um Trost und Antwort zu erhalten, unter der Voraussetzung des Glaubens oder Für-Wahr-Haltens solcher Lehren. Überall in der Welt findet man Rituale, die den "Übergang" begleiten und die unterschiedlichsten Vorstellungen von einem Weiterexistieren an einem anderen jenseitigen Ort, dem Paradies, Nirwana oder durch Wiederverkörperung im Diesseits, in einer neuen Erscheinungsform.

In den Jenseitsvorstellungen der großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam, wird Positives prophezeit: Gottesnähe, das Paradies und ewiges Leben unter der Voraussetzung eines gottesgefälligen Lebenswandels. Doch sind Vorstellungen kein Wissen. Und so bleiben oft Zweifel und Ängste, die den Sterbeprozess begleiten können.

Durch Kulturkontakte, Migrationsbewegungen und touristische Reisen finden heutzutage auch indigene Vorstellungen ihren Platz im Umgang mit Tod und Sterben in der westlichen Welt. Magische und esoterische Praktiken stehen hier zum Teil im Widerspruch zu den gängigen Modellen der monotheistischen Religionen. Theosophie, Schamanismus, moderne religiöse und esoterische Bewegungen und Kulte, Hexerei, Spiritismus usw. erweisen sich als ebenso geeignete Bewältigungsstrategien im Angesicht des Todes, wie die Weltreligionen. Sie alle bieten eine Reihe von Übergangsriten an, die den Sterbeprozess begleiten.

Vielen Menschen fällt es in der heutigen Zeit schwer, sich eindeutig zu einer Religion zu bekennen und das Weltbild vermischt sich mit Elementen aus anderen Kulturen und Glaubenssystemen z.B. den buddhistischen und hinduistischen Reinkarnationslehren oder esoterischen Vorstellungen.

Aus religionsethnologischer Perspektive ist der Begriff der Spiritualität nicht abschließend definiert, weil die individuelle Sicht auf die Dinge und Umstände im Vordergrund steht. Gerade in diesem Aspekt zeigt sich die Chance, dass Einzelne sich mit ihren individuellen Bedürfnissen und Sichtweisen in Zusammenhang mit dem Sterben, gesehen fühlen.

Spiritueller Beistand kann Sterbenden bei den letzten wichtigen Fragen nach dem Sinn des Lebens, des Todes, des Sterbens und nach dem Danach eine Unterstützung sein, ohne fertige Antworten zu präsentieren.

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist auch für die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in der Hospizarbeit und Palliativversorgung, die Schwerstkranke begleiten, von großer Bedeutung.