Sterben unter würdigen Bedingungen – auch für Menschen ohne Wohnung und Obdach

Zum Tag der Wohnungslosen am 11. September lenkt der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) den Blick auf Menschen, die von hospizlichen und palliativen Angeboten bisher zu wenig erreicht werden – schwerstkranke und sterbende Menschen ohne eigenen Wohnraum.

Wer ohne Wohnung lebt, stirbt in aller Regel früher als der Bevölkerungsdurchschnitt – oft unbemerkt, ohne Begleitung und fernab jeder Versorgung. Jahrelange Wohnungslosigkeit, Armut und Ausgrenzung führen dazu, dass Betroffene oft schon in mittleren Lebensjahren schwer oder chronisch krank sind – Sucht, unbehandelte Verletzungen und chronische Infektionen sind keine Seltenheit. Zugleich ist für sie der Zugang zu Diagnostik, Hausärztinnen und Hausärzten sowie Palliativversorgung erschwert.

„Sterben unter würdigen Bedingungen darf kein Privileg sein, das an eine Adresse gebunden ist", sagt Susanne Kränzle, Vorsitzende des DHPV. „Auch Menschen ohne Wohnung haben ein Recht auf hospizliche Begleitung und palliative Versorgung, auf ein letztes Gespräch, auf jemanden, der da ist."

Der DHPV ist Träger der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Ein eigenes Handlungsfeld der dazugehörigen Handlungsempfehlungen widmet sich gezielt der Hospizarbeit und Palliativversorgung für von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen. Dringend empfohlen werden unter anderem eine engere Zusammenarbeit zwischen Wohnungslosenhilfe und Hospiz- und Palliativdiensten, verbindliche Qualifizierungsangebote für Haupt- und Ehrenamtliche auf beiden Seiten – d.h. sowohl für Akteur*innen in der Wohnungslosenhilfe als auch für Menschen, die in der Hospizarbeit und Palliativversorgung tätig sind – sowie würdige Formen des Abschieds für Menschen ohne nahestehende Angehörige.

Dass gute Begleitung möglich ist, zeigen mehrere Projekte bundesweit: So gibt es in Berlin die Koordinierungsstelle zur Versorgung Wohnungsloser mit lebensbegrenzender Erkrankung (KoWohl), die Caritas-Krankenwohnung in Berlin-Moabit, die konkrete Unterbringung für schwerstkranke wohnungslose Menschen schafft, sowie das Haus Hebron, ein Berliner Wohnprojekt für Menschen ohne Wohnung oder Obdach mit Pflege- und Unterstützungsbedarf, das auch palliative Versorgung bietet. In Bielefeld begleitet Streetmed obdachlose Menschen auch am Lebensende, in München übernimmt das der Hospizdienst DaSein e.V. Seit 2024 setzt sich das Modellprojekt Cared.Wende dafür ein, dass schwer kranke und (palliativ-)pflegebedürftige wohnungslose Menschen in Münster besser versorgt werden.

Was diesen Projekten gemeinsam ist: Sie entstehen aus dem Engagement einzelner Menschen, Dienste, Einrichtungen und Verbände. Es fehlt häufig an einer verlässlichen Finanzierung und an gut vernetzten Strukturen.

„Hier braucht es auch den politischen Willen, bestehende Ansätze zu unterstützen und in die Fläche zu bringen", so Kränzle. „Das heißt unter anderem eine verlässliche Finanzierung von Projekten, z.B. bei der Qualifizierung von Mitarbeitenden sowohl in Hospizarbeit und Palliativversorgung als auch in der Wohnungslosenhilfe. Dann wird eine engere Vernetzung von Wohnungslosenhilfe und Hospizarbeit vor Ort sicher sehr viel häufiger gelingen, als dies bisher der Fall ist.“

„Menschen ohne Wohnsitz“, so Kränzle abschließend, „sind Mitmenschen, die in ganz besonderer Weise unsere Solidarität, unsere Empathie sowie verlässliche Beziehungen und Sorge brauchen, gerade auch im letzten Lebensabschnitt.“

Weitere Informationen
Zu den Handlungsempfehlungen (PDF auf Yumpu)

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV) ist die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der Landesverbände in den 16 Bundesländern sowie weiterer überregionaler Organisationen der Hospizarbeit und Palliativversorgung und als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.380 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 140.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

Kontakt
Angela Hörschelmann
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Aachener Str. 5
10713 Berlin
Tel.: 030 82 00 758 17
Fax: 030 82 00 758 13
Mail: a.hoerschelmann@dhpv.de
Internet: www.dhpv.de

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