Franz Müntefering und fünf weitere Persönlichkeiten mit DHPV-Ehrenpreisen ausgezeichnet
Franz Müntefering, Bundesminister a.D. und ehemaliger Vizekanzler, die ehrenamtlich in der Hospizarbeit Engagierten Annemarie Schurzmann und Ilona Schneider, die Journalistin Martina Keller sowie die Nachwuchswissenschaftlerinnen Stephanie Winter-Below und Sabine H. Krauss wurden im Rahmen des Neujahrsempfangs des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) und seiner Stiftung mit den Ehrenpreisen des DHPV ausgezeichnet.
In Anwesenheit von zahlreichen Gästen aus Politik, dem Gesundheitswesen, von Partnerverbänden sowie aus der Hospiz- und Palliativarbeit hat gestern der Neujahrsempfang des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) und seiner Stiftung, der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung (DHPS), stattgefunden.
Die ehemalige Bundesjustizministerin, Prof. Herta Däubler-Gmelin, Schirmherrin des DHPV, betonte in ihrem Grußwort: „In einer Zeit, in der Mächtige versuchen, Menschen durch Gewalt, nationale Egoismen und Druck zu schrecken, erinnert die Hospizbewegung ganz bewusst an den Wert von Verantwortung, Mitmenschlichkeit, Solidarität und gegenseitigem Respekt. Ihr Beispiel zeigt, wie Demokratie gelebt und Unsicherheit gemildert werden kann: durch Zuhören und Verstehenwollen, durch Akzeptanz von Verschiedenheit und Handeln mit den Schwächsten.“
In ihrem Impuls „Ethische Perspektiven am Lebensende“ beleuchtete Susanne Kummer, Direktorin des Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) in Wien, den Umgang Europas mit dem Lebensende. „Wo Beihilfe zum Suizid und sogenannte ‚Sterbehilfe' zur gesellschaftlich anerkannten Option werden, verändert sich die Kultur des Lebens", so ihre zentrale These. Anhand aktueller Daten aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Belgien wies sie nach, dass besonders vulnerable Gruppen betroffen sind – allen voran hochaltrige Menschen sowie Frauen. Mit Blick auf diese Entwicklung stellte die Ethikerin die kritische Frage: „Verlieren wir die Geduld mit den Alten?“ Kummer verwies auf eine aktuelle deutsche Studie, wonach mehr als 60 Prozent der Hospizmitarbeitenden besorgt sind, dass die Beihilfe zum Suizid zu schnell als vermeintlich einfacher Ausweg gesehen wird. 40 Prozent befürchten, dass suizidassistierte Angebote palliative Möglichkeiten verdrängen könnten, bevor diese überhaupt ausgeschöpft wurden. Die Ethikerin plädierte deshalb für ein verstärktes „palliatives Mainstreaming“. Ihr Fazit: „Menschliche Würde hängt nicht davon ab, wie unabhängig wir sind, sondern wie wir miteinander umgehen, wenn wir es nicht mehr sind.“
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Verleihung der DHPV-Ehrenpreise an Menschen, die die Hospizidee durch ihr Wirken bereichern und voranbringen. In der Kategorie „Ehrenamtliches Engagement“ wurden Annemarie Schurzmann vom Sukhavati Hospiz Bad Saarow sowie Ilona Schneider vom Hospizdienst der Malteser in Bad Kissingen für ihr langjähriges und vielfältiges Engagement ausgezeichnet.
„Hospizarbeit ist ohne das Ehrenamt nicht denkbar – keine Institution kann ersetzen, was ehrenamtlich engagierte Menschen in der Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen leisten“, so Paul Herrlein, stellvertretender Vorsitzender in seiner Laudatio. „Annemarie Schurzmann und Ilona Schneider verkörpern exemplarisch, dass Hospizarbeit gelebte Menschlichkeit ist. Ihr Engagement macht deutlich, dass es im Kern immer um eine Frage geht: Wie wollen wir als Gesellschaft mit dem Leben umgehen – auch dort, wo es zerbrechlich wird? Für ihr außergewöhnliches, langjähriges Engagement verdienen sie unsere höchste Anerkennung."
Mit dem Ehrenpreis in der Kategorie Strukturen und Rahmenbedingungen würdigte der DHPV den Bundesminister a.D. und ehemaligen Vizekanzler Franz Müntefering für sein langjähriges politisches und persönliches Engagement für eine menschenwürdige Begleitung am Lebensende. „Er hat“, so DHPV-Vorsitzende Susanne Kränzle in ihrer Laudatio, „der Hospizbewegung Halt und Stimme gegeben – als überzeugter Anwalt für Strukturen, in denen Mitmenschlichkeit, Verantwortung und Solidarität gelebt werden können.“
In der Kategorie „Medien und Öffentlichkeitsarbeit“ ging der Ehrenpreis an die Medizinhistorikerin, Medizinjournalistin und Autorin Martina Keller. „Martina Keller macht sichtbar, was im öffentlichen Diskurs über das Lebensende oft ausgeblendet wird: die Grauzonen zwischen Selbstbestimmung, Versorgungslücken und menschlicher Not. Mit großer journalistischer Sorgfalt gibt sie sterbenden Menschen wie Zugehörigen eine Stimme und zeigt, wie unverzichtbar Hospizarbeit, Palliativversorgung und qualifizierte Trauerbegleitung für eine solidarische Gesellschaft sind.“ so Cora Schulze, stellvertretende Vorsitzende des DHPV, in ihrer Würdigung.
Der Wissenschaftspreis des DHPV ging an Dr.ⁱⁿ Stephanie Winter-Below (Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg) für ihre Doktorarbeit zum pädagogischen Verständnis kindlicher Ausdrucksweisen von Trauer im Angesicht des Todes, sowie an Dr.ⁱⁿ phil. Sabine H. Krauss (Ludwig-Maximilians-Universität, München) ebenfalls für ihre Doktorarbeit „Dienstleistungsarbeit in der Palliative Care. Eine soziologische Analyse und konzeptionelle Erweiterung am Beispiel der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV)“.
Laudatorin Prof. Susanne Fleckinger, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des DHPV, würdigte die Preisträgerinnen für die hohe wissenschaftliche Qualität ihrer Arbeiten, den differenzierten Zugang zu ihren jeweiligen Forschungsfeldern sowie die methodisch und inhaltlich reflektierte Umsetzung. Beide Dissertationen leisten einen eigenständigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Forschung in Hospizarbeit, Palliativversorgung und Trauerbegleitung. „Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten zeigen, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hospizarbeit und Palliativversorgung ein zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Verantwortung ist“, betonte Fleckinger.
Susanne Kränzle lud im Anschluss an die Verleihung zum Austausch über 2026 notwendige Schritte in der Hospizarbeit, Palliativversorgung und Trauerbegleitung ein. Dazu gehören die Weiterentwicklung des Hospiz- und Palliativgesetzes, der Ausbau verlässlicher Trauerbegleitung und die politische Umsetzung von Caring Communities als gesellschaftlichem Zukunftsprojekt.
Den musikalischen Rahmen gestaltete das Trio Muzet Royal.
Auf dem Bild Preisträger*innen und Laudator*innen (v.l.n.r.): Paul Herrlein, Annemarie Schurzmann, Franz Müntefering, Susanne Kränzle, Stephanie Winter-Below, Susanne Fleckinger, Dr. Sabine H. Krauss, Ilona Schneider, Cora Schulze
Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV) ist die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der Landesverbände in den 16 Bundesländern sowie weiterer überregionaler Organisationen der Hospizarbeit und Palliativversorgung und als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.300 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 140.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren. Die DHPV-Ehrenpreise werden seit 2001 verliehen.
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