DHPV startet Projekt „Caring Communities im Sinne der Charta zur Betreuung Sterbender“
Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) hat sein neues Projekt „Caring Communities im Sinne der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ gestartet. Ziel ist es, die Entwicklung lokaler Sorgenetzwerke in Deutschland voranzubringen und aus ersten Initiativen tragfähige, dauerhafte Strukturen zu entwickeln.
Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e. V. (DHPV) hat gestern mit einem Kick-off-Treffen sein neues Projekt „Caring Communities im Sinne der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ gestartet. Das Projekt setzt die neue Handlungsempfehlung der Charta um, die im Oktober 2025 vom Runden Tisch der Charta und den Charta-Trägern verabschiedet worden war und soll die Entwicklung lokaler Sorgenetzwerke in Deutschland voranbringen sowie erste Initiativen zu tragfähigen, dauerhaften Strukturen weiterentwickeln.
Die Gesellschaft verändert sich: Menschen leben länger, vielfältiger und individueller, aber auch häufiger einsam. Am Lebensende zeigt sich das besonders deutlich – soziale Netze tragen dann oft nicht mehr, und Versorgungsstrukturen stoßen an ihre Grenzen. Sorge ist vielerorts privatisiert oder in institutionelle Routinen ausgelagert.
Caring Communities setzen dem ein anderes Verständnis entgegen: Sorge als Aufgabe der ganzen Gesellschaft, getragen von vielen. In lokalen Sorgenetzwerken teilen Zivilgesellschaft, Fachpersonen, Betriebe, weitere gesellschaftliche Bereiche sowie Politik die Verantwortung für Alltag, Krisen und Lebensende.
Auch die Public-Health-Forschung stützt diesen Ansatz: Schwerstkranke Menschen verbringen nur einen Bruchteil ihrer letzten Lebenszeit in unmittelbarer Betreuung durch professionelle Dienste. Der größte Teil des Sterbens sowie der Sorge und der Trauer findet dort statt, wo Menschen leben, lieben und arbeiten – in Familien, Freundeskreisen, Schulen, Betrieben, Vereinen und Gemeinden. Sorge wird damit zu einer öffentlichen Aufgabe, die uns alle angeht.
„Caring Communities entstehen derzeit weltweit als eine große internationale Bewegung. Sie setzt sich dafür ein, die Bedingungen für ein gutes Leben aller Bürger*innen vor Ort über einen Mix aus zivilgesellschaftlichem und professionellem Engagement zu ermöglichen“, sagt Dr. Birgit Weihrauch, Ehrenvorsitzende des DHPV sowie Vorsitzende von Caring Community Köln e. V. „Das muss im Besonderen auch für das Lebensende und den Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer gelten. Hier setzt das Projekt an.“
Die Hospizbewegung in Deutschland engagiert sich seit vier Jahrzehnten für eine Kultur der Sorge am Lebensende – wesentlich getragen von ehrenamtlichem Engagement und Vernetzung vor Ort. Diese Prinzipien finden sich im Konzept der Caring Communities wieder. Der DHPV versteht die Hospizbewegung deshalb als eine frühe Form sorgender Gemeinschaft und – gemeinsam mit den regionalen Hospiz- und Palliativ-Akteur*innen und ihren Netzwerken sowie weiteren Partner*innen – als geeigneten Ausgangspunkt für den Aufbau von Caring Communities in Deutschland.
„Die Hospizbewegung steht seit jeher für Solidarität und Selbstbestimmung am Lebensende. Diese Erfahrung wollen wir in sorgende Gemeinschaften einbringen“, sagt Susanne Kränzle, Vorsitzende des DHPV. „Hospizdienste und -einrichtungen begleiten schwerstkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen seit Jahrzehnten in existenziellen Krisen. Diese Erfahrung gehört in die Ausgestaltung und Weiterentwicklung von Caring Communities.“
Der DHPV, Dachverband der Hospizarbeit, Palliativversorgung und Trauerbegleitung in Deutschland, möchte mit dem Projekt seine Mitgliedsdienste und -einrichtungen ermutigen und befähigen, sich in die Ausgestaltung von Caring Communities einzubringen oder selbst eine solche Caring Community zu initiieren – etwa durch Vernetzung mit anderen Akteur*innen wie Kulturinitiativen, Betrieben oder Bildungsträgern sowie durch die Verbreitung hospizlicher und palliativer Ansätze. Ausdrücklich adressiert werden dabei auch Kommunen. Angeboten werden unter anderem Workshops, Fachtagungen, Positionspapiere und Beratung.
Das Projekt
Das Projekt baut auf der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland (2010/2016) und die Handlungsempfehlung Caring Communities im Sinne der Charta (2025) auf, die von den Charta-Trägern DHPV, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und Bundesärztekammer (BÄK) veröffentlicht wurde. Seinen Ursprung haben die Caring Communities in der Compassionate City Charter. Der DHPV übernimmt die Projektleitung; ein Projektbeirat berät und begleitet die Arbeit. Die Öffentlichkeitsarbeit und das Netzwerkprojekt des Verbands unterstützen das Projekt zusätzlich.
Weitere Informationen
Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV) ist die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der Landesverbände in den 16 Bundesländern sowie weiterer überregionaler Organisationen der Hospizarbeit und Palliativversorgung und als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.380 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 140.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.
Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen (PDF)
Handlungsempfehlung Caring Communities (PDF)
www.charta-zur-betreuung-sterbender.de
The Compassionate City Charter
Kontakt
Angela Hörschelmann
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband
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