Presseinformation zum Tag der Kinder- und Jugendhospizarbeit: Selbstbestimmtes Leben heißt auch selbstbestimmtes Wohnen

08.02.2019 - 10:00

Zum Tag der Kinder- und Jugendhospizarbeit am 10. Februar fordert der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) umfassende Teilhabe für schwerstkranke und sterbende Jugendliche und junge Erwachsene durch den Ausbau von geeigneten Wohnformen.

Auch lebensverkürzend erkrankte Jugendliche und junge Erwachsene möchten im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst für sich Sorge tragen und soweit wie möglich unabhängig sein. Hierzu fehlt es bisher aber an geeigneten, alternativen Wohnformen für junge Erwachsene.

Professor Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands: „Die Entwicklung und Etablierung geeigneter Wohnformen zu gewährleisten ist nicht nur Aufgabe der entsprechenden Verbände oder einzelner Vereine und Einrichtungen, sondern auch der Politik und der Gesellschaft.“

Bereits seit 2016 ermöglicht ein Wohnprojekt des Vereins "Rade integrativ" in Radevormwald (NRW) sieben jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigungen ein möglichst selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Die von Eltern gegründete Wohngemeinschaft ist eine von wenigen Wohnformen, die auch für Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensverkürzender Erkrankung offen ist.

Christiane Schnell, selber Mutter einer lebensverkürzend erkrankten Tochter, hat das Projekt ins Leben gerufen. Begonnen hatte alles mit dem Wunsch ihrer Tochter Verena nach weitmöglichster Selbstständigkeit und einer eigenen Wohnung. Gleichzeitig geriet die Tochter in einen Gewissenskonflikt, da sie annahm, diesen Traum erst nach dem Versterben der Mutter realisieren zu können. Ihre Mutter entkräftete diesen Irrtum und unterstützte Verena in ihrem Vorhaben: „Wenn du ausziehen und selbständig wohnen möchtest, helfe ich dir, und wenn es soweit ist, gibt es Kaffee und Kuchen bei dir zu Hause“, erinnert sich Christiane Schnell. Heute ist Verena stolze Gastgeberin, wenn sie ihre Mutter in der eigenen Wohnung zu Besuch hat.

Christiane Schnell ist Mitglied in der Arbeitsgruppe Wohnformen im Deutschen Kinderhospizverein e.V. sowie der Expertengruppe Wohnformen unter dem Dach der Koordinierungsstelle der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Gemeinsam mit anderen betroffenen Eltern erarbeitet sie hier eine Orientierungshilfe, um geeigneten Wohnformen den Weg zu ebnen.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. ist seit 1992 die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der Landesverbände in den 16 Bundesländern sowie weiterer überregionaler Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit und als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.200 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 120.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

Der DHPV setzt sich als Träger der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen dafür ein, die Versorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzenden Erkrankungen als umfassendes und eigenständiges Konzept auszubauen und im Rahmen geeigneter Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln. Insbesondere die familiäre und soziale Situation sowie der individuelle Stand der Persönlichkeitsentwicklung sind hier zu berücksichtigen.


Kontakt:
Angela Hörschelmann
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030 82 00 758 17
Mail: a.hoerschelmann@dhpv.de
Internet: www.dhpv.de

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