Presseinformation: Der Mensch ist mehr als nur „potentieller Organspender“!

25.09.2019 - 09:00

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) plädiert für eine informierte Entscheidung und eine hospizliche Perspektive im Umgang mit lebenslimitierend erkrankten Menschen, die als Organspender in Betracht kommen.

Anlässlich der heute im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages stattfindenden Anhörung zum Thema Neuregelung der Organspende und Erhöhung der Spenderbereitschaft betont der Deutsche Hospiz und PalliativVerband (DHPV) die grundlegende Bedeutung der Organspende und begrüßt die Bemühungen des Gesetzgebers, die Strukturen der Organtransplantation sowie deren Finanzierung zu verbessern.

„Trotzdem müssen wir davor warnen, die Organspende lediglich als einen zu optimierenden Prozess und den einzelnen Menschen hauptsächlich als ‚potenziellen Organspender‘ zu verstehen“, so Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV.

Um lebenslimitierend erkrankte Menschen, die als Organspender in Betracht kommen, ihre Zugehörigen und den natürlichen Sterbeprozess nicht aus dem Blick zu verlieren, schlägt der DHPV vor, die Betreuung dieser Menschen – wie im Bereich der Hospizarbeit und Palliativmedizin üblich – als multiprofessionellen und interdisziplinären Prozess zu gestalten, der neben dem Transplantationsbeauftragten auch Palliativmediziner*innen, Psycholog*innen und (sofern gewünscht) Seelsorger*innen in die Begleitung einbezieht.

Vor diesem Hintergrund wird auch die angedachte Widerspruchslösung kritisch gesehen. Im Zusammenspiel mit strukturellen und finanziellen Verbesserungen der Organspende wird aus Sicht des DHPV die Entscheidungslösung am ehesten dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht im Umgang mit den sensiblen Fragen rund um das Lebensende gerecht.

„Statt des Zwangs über die Widerspruchslösung brauchen wir Aufklärung sowie Informations- und Beratungsangebote“, so Hardinghaus. „Diese müssen auch auf mögliche Nachteile der Organ- und Gewebeübertragung, insbesondere im Hinblick auf palliativmedizinische und psychologische Implikationen für die Spender*innen und deren Angehörigen, hinweisen.

Zur Stellungnahme.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. ist seit 1992 die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der Landesverbände in den 16 Bundesländern sowie weiterer überregionaler Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit und als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1.200 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 120.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

Kontakt
Angela Hörschelmann
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030 82 00 758 17
Mail: a.hoerschelmann@dhpv.de
Internet: www.dhpv.de

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