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Laudatio zu Ehren des Landes Schleswig-Holstein

von Professor Dr. Winfried Hardinghaus, Vorsitzende des DHPV

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrter Minister Dr. Garg,

das Ehrenamt ist Wiege und unverzichtbare Stütze der Hospizarbeit. Wie bereichernd es ist, haben wir gerade bei der Auszeichnung und den tollen Worten von Christel Grimm und Rudolf Fischer gehört. Und doch brauchen die Hospiz- und Palliativarbeit und mit ihr das Ehrenamt gute Strukturen und Rahmenbedingungen, um sich ganz auf ihre Aufgaben – das Begleiten, Dasein, Aushalten, Zuhören und Entlasten – konzentrieren zu können. Aus diesem Grunde verleihen wir in jedem Jahr auch einen Ehrenpreis an Menschen, Organisationen und Institutionen, die sich in hervorragender Weise um die Strukturen und Rahmenbedingungen in der Hospiz- und Palliativarbeit verdient gemacht haben.

Wie das beispielgebend aussehen kann, sehen wir schon seit vielen Jahren in Schleswig-Holstein, wo Land und Regierung über die Grenzen von Fraktionen und Ministerien hinweg wesentlich dazu beitragen, die Hospiz- und Palliativversorgung der Menschen in Schleswig-Holstein weiterzuentwickeln.

Beginnen wir ganz praktisch, etwa mit der Förderung der wohnortnahen stationären Hospizversorgung, für die bis Ende der Legislaturperiode jedes Jahr 500.000 Euro zur Verfügung stehen. Gefördert werden auch die Palliativstationen sowie die ehrenamtlich koordinierten Hospizinitiativen, die nicht über den § 39a finanziert werden. Diese ehrenamtlich-koordinierten Hospizinitiativen werden zudem auch einmal pro Jahr zu einem Gedankenaustausch ins Sozialministerium nach Kiel eingeladen. Im Bereich der Pflegeeinrichtungen unterstützt das Land Schleswig-Holstein zusammen mit der Stadt Neumünster und der Damp-Stiftung das sogenannte „Neumünsteraner Modell“ mit jährlich 200.000 Euro. Der Modellversuch hat die Implementierung der Hospizkultur und Palliativversorgung in den 13 stationären Pflegeeinrichtungen in Neumünster zum Ziel. Beispielhaft auch das Engagement im Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, die das Land Schleswig-Holstein schon vor über zehn Jahren mitgedacht und auf den Weg gebracht hat, mit dem Ergebnis, dass heute eine flächendeckende SAPV-Versorgung sichergestellt ist.

Schauen wir neben der Praxis in den Bereich der Forschung: Aktuell fördert das Land Schleswig-Holstein das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Tradition bewahren — Zukunft entwickeln. Hospiz- und Palliativarbeit in Schleswig-Holstein auf dem Weg in eine starke Zukunft.“ Hier wird genau geschaut, wie die Hospiz- und Palliativarbeit in Schleswig Holstein derzeit aufgestellt ist und welcher Entwicklungsbedarf besteht, etwa mit Blick auf Vernetzung, Kooperation und Qualitätssicherung. Es geht um Fragen, wie das Ehrenamt gestärkt und neues Ehrenamt gewonnen werden kann. Es geht auch darum, Kooperationen mit Einrichtungen der Pflege und der Behindertenhilfe auszubauen und die Begleitung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, mit Migrationshintergrund, in prekären Lebenslagen sicherzustellen. Es geht – in einem Satz – um die Zukunftsfähigkeit der Hospiz- und Palliativarbeit in Schleswig-Holstein.

Das alles wiederum ist Frucht der Förderung der Landeskoordinierungsstelle für die Hospiz- und Palliativversorgung Schleswig-Holstein, die seit 2017 für einen Zeitraum von fünf Jahren aus Landesmitteln finanziert wird. Warum Ihr Land, sehr geehrter Minister Garg, diesen Preis sehr verdient hat, geht auch aus der Vorgeschichte dieser Förderung hervor: Im Dezember 2016 hat Ihr Landtag fraktionsübergreifend und einstimmig diese Förderung beschlossen. Und dieser Beschluss wiederum ging auf einen runden Tisch zur Hospizarbeit und Palliativversorgung hervor, zu dem der Landtag selber alle Beteiligten eingeladen hatte und bei dem die Idee zu einer solchen Koordinierungsstelle konkretisiert wurde. Und jetzt, bereits zwei Jahre vor Ablauf der Förderung wurden weitere Mittel zur Verfügung gestellt, um die Koordinierungsstelle räumlich und personell zu erweitern.

Dieser kurze Überblick macht deutlich, warum der DHPV in diesem Jahr das Land Schleswig-Holstein mit dem Ehrenpreis in der Kategorie Strukturen und Rahmenbedingungen ehrt, und wir freuen uns sehr, sehr geehrter Minister Garg, dass Sie stellvertretend für die Regierung Ihres Bundeslandes zu uns gekommen sind, diesen Preis entgegen zu nehmen, wissen wir doch, dass auch Sie schon seit vielen Jahren ein offenes Ohr für die Belange schwerstkranker und sterbender Menschen haben und sich darüber hinaus für die strukturellen Verbesserungen der Hospiz- und Palliativarbeit einsetzen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Sie in einer ersten Amtszeit als Sozialminister des Landes Schleswig-Holsteins bereits im Jahr 2011 die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland unterzeichnet haben. Und in der aktuellen Legislaturperiode waren Sie Gastgeber, als die Koordinierungsstelle in Ihrem Ministerium selber die Charta unterzeichnet hat.

In einem Antrittsinterview im Jahr 2017 haben Sie von Ihren ersten Begegnungen als damals noch junger Politiker mit den Gästen und Mitarbeiter*innen des – wenn ich mich nicht täusche – Katharinen Hospizes in Flensburgs erzählt und davon, dass die Hospiz- und Palliativarbeit bei allen anderen drängenden Themen wie Kita-Reform, Kinderarmut und Pflegenotstand seither ein wichtiges Thema Ihres Ministeriums ist. Dass Sie sich auf den Weg gemacht haben, diesen Preis für das Land Schleswig-Holstein entgegen zu nehmen, zeigt das einmal mehr. Sehr geehrter Minister Garg, darf ich Sie als würdigen Vertreter nach vorne bitten, um den Ehrenpreis in der Kategorie „Strukturen und Rahmenbedingungen“ für das Land Schleswig-Holsteins entgegenzunehmen.

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