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Laudatio zu Ehren von Christel Grimm und Rolf Fischer

von Dirk Blümke, stellvertretender Vorsitzender des DHPV

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Hospizbewegung in Deutschland entstand in den 1980er Jahren durch das ehrenamtliche und bürgerschaftliche Engagement zunächst einzelner Bürger*innen. Auch und gerade heute, wo sich die Hospizidee in der Gesellschaft zunehmend etabliert hat, ist Hospizarbeit ohne ehrenamtliches Engagement nicht denkbar. Mit dem DHPV-Ehrenpreis in der Kategorie Ehrenamtliches Engagement möchten wir diesen Einsatz würdigen.

Der Preis für ehrenamtliches Engagement geht in diesem Jahr an zwei Menschen, die beide bereits seit über zwanzig Jahren ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig sind. Wir freuen uns, Sie, liebe Frau Grimm, und Sie, lieber Herr Fischer, heute hier begrüßen zu dürfen.

Zu Ihrer Person und Ihren Verdiensten:
Christel Grimm kommt aus Langen bei Frankfurt. Von Beruf ist sie Familienpflegerin. In der Hospizgruppe Langen, einer Regionalgruppe der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand, kurz IGSL, ist sie seit 1997 Mitglied und hat dort zunächst „nur“ schwerstkranke und sterbende Menschen begleitet. Als 2002 sehr kurzfristig die Leitung der Gruppe vakant wurde, zögerte Frau Grimm nicht lange und übernahm den Vorsitz der Gruppe, den sie bis heute innehat. Um den hohen Anforderungen der Hospiz- und Palliativarbeit Rechnung zu tragen, hat sie von Anfang an die Aus- und Fortbildung für die Aktiven in neuen Betätigungsfeldern ermöglicht. Heute gehören neben der Sterbebegleitung auch die Trauerbegleitung sowie Lebensbegleitung für hinterbliebene Angehörige zum Angebot der Hospizgruppe Langen.

Getreu dem Credo „Hospizarbeit ist Netzwerkarbeit“ vernetzt Frau Grimm sich und „ihre“ Hospizgruppe mit anderen Gruppen und engagiert sich in verschiedenen Arbeitskreisen in ganz Hessen. So ist sie Mitglied im Arbeitskreis Hospiz- und Palliativarbeit Rhein- Main in Frankfurt, im Palliativnetz PaNDa Raum Darmstadt und im Palliativnetz Stadt und Kreis Offenbach. Dass sie Hospizarbeit auch als Bildungsarbeit nach außen versteht, macht sie in Vorträgen zur Vorsorge und Patientenverfügung sowie über die Hospizarbeit deutlich, mit denen sie über entsprechende Angebote informiert und mit unermüdlichem Einsatz und Engagement dafür kämpft, das Thema Hospizbegleitung aus der Tabuzone herauszuholen.

Die Erfahrungen und Ideen, die sie in der Hospizgruppe Langen sammelte, bringt sie seit nunmehr zehn Jahren auch im Vorstand des Dachverbandes der IGSL ein, der mit 3000 Mitgliedern in 27 Regionalgruppen organisiert ist. Zunächst war sie dort Beisitzerin, dann 2. Vorsitzende und von 2013 bis 2016 Vorsitzende. In den Jahren 2017 und 2018 übernahm sie die Verantwortung für das Hospiz-Bildungswerks der IGSL, welcher die Aus- und Fortbildung der Mitglieder des Vereins organisiert. Im letzten Jahr wurde sie wieder zur 1. Vorsitzenden gewählt.

Neben ihrer Vorstandsarbeit ist Christel Grimm in verschiedenen Arbeitskreisen der IGSL tätig, so in den Arbeitskreisen Ehrenamt, Trauer, Qualitätssicherung und im Arbeitskreis Zukunft, wo es um die Weiterentwicklung der Hospizarbeit vor allem mit Blick auf die Öffentlichkeitsarbeit, um die Gewinnung von Mitgliedern und neuen Ehrenamtlichen geht.

Allein in der Begleitung Sterbender für die Hospizgruppe Langen war Frau Grimm bisher über 6.000 Stunden ehrenamtlich tätig, dabei immer verlässlich, einfühlsam, kritisch-konstruktiv und voller Herzblut bei der Sache. Sie ist seit über zwanzig Jahren ein ehrenwertes Beispiel dafür, was Ehrenamt in der Hospizarbeit – neben der direkten Begleitung – alles heißen kann und wie man die verschiedenen Ebenen der Hospizarbeit – von der lokalen Hospizgruppe über regionale Netzwerke bis zur Arbeit eines Dachverbandes – füreinander fruchtbar macht.

Ähnlich lang, seit 1998, ist Rolf Fischer ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig, und zwar im Franziskus-Hospiz Hochdahl in Erkrath, einem stationären und ambulanten Hospiz in Trägerschaft der Marienhaus Unternehmensgruppe und des Franziskus-Hospiz e.V. Hochdahl. Eine positive Erfahrung bei einer Sterbebegleitung in der eigenen Familie hat ihn damals motiviert, sich selbst in der Hospizarbeit zu engagieren. Nach den Ermutigungs- und Befähigungsseminaren begann er vor fast 22 Jahren seine ehrenamtliche Mitarbeit im stationären Hospiz. Mit seiner ruhigen, zugewandten Art ist er seither sowohl für Bewohner*innen und deren Angehörige wie auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen eine große Unterstützung. Seine Gelassenheit tut allen gut. Es gelingt ihm zu vielen Bewohnern einen Zugang zu bekommen, auch zu Menschen mit einem herausfordernden Charakter. Er lässt sich auf die Menschen und deren Situation ein. In den vielen Jahren hat er neben den allgemeinen Diensten im stationären Hospiz viele Einzelbegleitungen von Bewohner*innen übernommen, ihnen Zeit geschenkt, auch Ausflüge gemacht, gerade dann, wenn jemand keine Angehörigen haben.

Rolf Fischer arbeitet zudem im „Sonntagsdienst“ mit, wo er abwechselnd mit anderen Ehrenamtlichen zu Bewohner*innen geht, die sich einen Besuch, ein Gebet, ein Gespräch über den Glauben wünschen und spricht ihnen Trost und Segen zu. Bei den Gedenkfeiern für verstorbene Bewohner*innen liest er die Namen der Verstorbenen vor, eine Aufgabe, die er mit großen Respekt ausübt. Auch trägt er die Verantwortung für das „Buch des Lebens“ im Raum der Stille des Hospizes. Gemeinsam mit einer anderen Ehrenamtlichen trägt er in das Buch alle Namen der Verstorbenen ein, sodass kein Mensch, den das Hospiz ambulant oder stationär begleitet hat, vergessen wird.

Als Bewohner*innenfürsprecher war er über viele Jahre Ansprechpartner für die Bewohner*innen des stationären Hospizes und deren Angehörige; bei Fragen, Unstimmigkeiten hat er vermittelt zwischen der Hospizeinrichtung und den Betroffenen.

Neben all diesen Tätigkeiten unterstützt er in den letzten Jahren auch die Gruppe der Ehrenamtlichen im ambulanten Bereich und begleitet sterbenskranke Menschen zuhause, in einer Pflegeeinrichtung und im Krankenhaus auf der Palliativstation. Wenn ein sterbender Mensch kurzfristig einen Begleiter benötigt, macht sich Rolf Fischer auf Anfrage spontan auf den Weg und ist da, ist am Bett, ist an der Seite des Sterbenden, der jetzt einen Menschen an seiner Seite braucht.

Menschenfreundlichkeit, Empathie, Achtsamkeit, ein gutes Maß von Engagement und Selbstfürsorge, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit, all das sind Eigenschaften, die Rolf Fischer in sein Ehrenamt einbringt. Hinzu kommen sein feiner Humor und eine Eigenschaft, die weit verbreitet ist unter den Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit, und die auch für Christel Grimm gilt: Man macht nicht viel „Wirbel“ um die eigene Person und das eigene Engagement.

Nun, dafür sind heute wir da. Wir sind froh und glücklich, sie beide heute bei uns zu haben und Sie mit dem Ehrenpreis für Ihr ehrenamtliches Engagement auszeichnen zu dürfen. Denn ohne Menschen wie Sie, liebe Frau Grimm und lieber Herr Fischer, wären in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung der Hospizbewegung, die Verbreitung der Hospizidee und vor allem eine zugewandte Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen nicht möglich gewesen. Der Preis, den wir Ihnen heute überreichen, steht für unseren Dank und unsere Anerkennung und natürlich als Ansporn für andere Menschen, sich in die Hospizarbeit einzubringen.

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