Wie wir sterben wollen

Wie wir sterben wollen

Die hospiz zeitschrift
Ausgabe 78
2018/3

Zum gesunden menschlichen Leben gehört es, leben zu wollen. Der Lebenswille ist lebensnotwendig und wird uns sozusagen in die Wiege gelegt. Doch wissen wir auch, dass wir alle sterben müssen. Letzteres im Blick, haben viele Menschen den Wunsch klarzulegen, wie ein „gutes“, ein „würdevolles“ Sterben für sie aussehen soll. Wie das Sterben dann – trotz oder auch jenseits aller Vorausverfügungen – letztendlich verläuft, wie wir sterben, bleibt bis zum letzten Atemzug offen. Das Heft beleuchtet verschiedene Aspekte, die zu einem "guten" Sterben beitragen können, von der Symptomlinderung über die Orientierung an der jeweils individuellen Lebensqualität bis hin zur rechtzeitigen Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen zum Lebensende.

Inhalt

hospiz wissen

Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit: Ist eine ärztliche Unterstützung ethisch gerechtfertigt?
G.D. Borasio, I.Black, J.Anneser und R.J. Jox

Gesundheitliche Versorgungsplanung in der stationären Altenhilfe im Sinne der Bewohnerinnen und Bewohner ausgestalten
Anne-Christin Linde, Nadine Treff, Sonja Lehmeyer und Annette Riedel

Abschiedszeit und Letztverlässlichkeit am Lebensende
Christof Müller-Busch

hospiz ausblick

SILQUA-FH 2016: LebenBegleiten - Entwicklung einer theoriebasierten Praxisleitlinie für eine an der Lebensqualität orientierte Palliative Care Begleitung in der Altenhilfe
Nadine Treff, Anne-Christin Linde, Sonja Lehmeyer und Annette Riedel

hospiz gespräch

„Sich jeden Tag neu einlassen ...“ 
Margit Gratz und Ulrike Geiger im Gespräch mit Annette Riedel

Wie wir sterben (wollen)
Jörg Augustin, Katarina Theißing, Dorothea Bergmann, Kerstin Hummel, Claudia Mäßiggang und Theodor Degkwitz im Gespräch mit Josef Raischl

hospiz praxis

Advance Care Planning – Behandlung im Voraus planen in der Behindertenhilfe. Erste Erfahrungen aus einem Pilotprojet des Caritasverbands München und Freising e.V.
Sabine Petr

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

zum gesunden menschlichen Leben gehört es, leben zu wollen. Der Lebenswille ist lebensnotwendig und wird uns sozusagen in die Wiege gelegt. Doch wissen wir auch, dass wir alle sterben müssen. Letzteres im Blick, haben viele Menschen den Wunsch klarzulegen, wie ein „gutes“, ein „würdevolles“ Sterben für sie aussehen soll. Wie das Sterben dann – trotz oder auch jenseits aller Vorausverfügungen – letztendlich verläuft, wie wir sterben, bleibt bis zum letzten Atemzug offen. Es bleibt geheimnisvoll, da es sich einer Kontrolle vielfach entzieht, schlicht, weil es Teil des Wagnisses Leben ist. Etwas Verborgenes für den sterbenden Menschen, für die An- und Zugehörigen, für die Professionellen wie auch die Ehrenamtlichen. Vielleicht ist es gut, dies bei allen sinnvollen Entscheidungen zur Vorsorge anzuerkennen und ein Stück weit das Geheimnisvolle des Sterbens zu bewahren.

Wichtig ist indes, dass Menschen sich darauf verlassen können, dass das Sterben, die letzte Lebenszeit gut begleitet wird, professionelle Symptomlinderung erfolgt und jegliche Therapie- und Pflegemaßnahme professionell und auch ethisch verantwortungsvoll abgewogen und anstehende Entscheidungen im Sinne des entscheidungsfähigen ebenso wie des nichteinwilligungsfähigen Menschen am Lebensende getroffen werden, dann wenn die/der Betroffene seinen Willen nicht mehr selbst durchsetzen oder ausdrücken kann.

Insbesondere in der letzten Lebensphase eines Menschen rückt die Bedeutsamkeit der Orientierung an der jeweils individuellen Lebensqualität in den Mittelpunkt aller Entscheidungen. Christof Müller-Busch greift in diesem Kontext den Begriff der Letztverlässlichkeit auf, den er als eine „Haltung“ bezeichnet, „die die Erschütterung der Zeit in der Phase des Abschieds als gemeinsame Herausforderung aufnimmt.“

Letztverlässlichkeit ist auch Thema der gesundheitlichen Versorgungsplanung bzw. des „Advance Care Planning (ACP)“. Die übergeordnete Intention der gesundheitlichen Versorgungsplanung ist eine auf persönlicher Wertereflexion aufbauende Auseinandersetzung mit möglichen zukünftigen Krankheits- und Behandlungsszenarien. Dies kann als Stärkung von Autonomie und Lebensqualität wahrgenommen werden (Vgl. GKV-Spitzenverband 2017, 3) und somit die Letztverlässlichkeit in Bezug auf das eigene Lebensende – soweit als möglich – in einen tragfähigen und verlässlichen Rahmen einbinden. Wohl wissend, dass eine Diskrepanz – zwischen dem wie wir sterben wollen und wie wir letztendlich sterben – möglich ist.

Wir wünschen den Leserinnen und Lesern eine aufschlussreiche Lektüre. Wenngleich wir nicht wissen, wie wir sterben, so können die Ausführungen einen Impuls dahingehend eröffnen, einmal darüber nachzudenken, wie wir sterben wollen oder vielleicht auch, wie wir nicht sterben wollen.

Ihre Annette Riedel         Ihr Josef Raischl

Zurück