TrauerErLeben. Wirkungen von Trauerbegleitung im Rahmen der emotionalen und sozialen Bewältigung von tiefgehenden und komplizierten Trauerprozessen

17.12.2012 - 12:00

Projektleitung: Prof. Dr. Michael Wissert der Hochschule Ravensburg-Weingarten
Kooperationspartner: Deutscher Hospiz- und PalliativVerband, ALPHA-Rheinland, Bundesverband Trauerbegleitung e.V., Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Universitätsklinikum Bonn, Altenhilfe der Stiftung Liebenau Deutschland

Hintergrund und Ziele:
Mit dem Sterben und dem Tod von nahen Angehörigen oder Freunden treten oft schon während des Sterbeprozesses und nach dem Tod bei den Hinterbliebenen zahlreiche seelisch-emotionale, körperliche, kognitive und auch spirituelle Reaktionen und Verarbeitungsprozesse auf. Für viele Hinterbliebene sind Trauer und Trauern mit der Gefahr eines sehr hohen und nicht nachlassenden Leidensdruckes verbunden, der sowohl in Krankheit als auch in soziale Desintegration einmünden kann. Die Trauerbegleitung hat sich in den letzten Jahren konzeptionell gut etabliert, d. h.: der Bedarf, die Sinnhaftigkeit und die positiven Wirkungen werden als gegeben angesehen und auch erlebt. Allerdings ist Wissen drüber, worin denn die speziellen Wirkungen von Trauerbegleitungen liegen und welche inhaltliche Reichweite diese aufweisen zwar vorhanden, dieses Wissen verbleibt aber nahezu gänzlich ohne empirisch relevante und zufriedenstellende Nachweise und Ergebnisse.

Das Projekt befasste sich mit drei zentralen Bereichen:

  1. Analyse der Konzepte zur Qualifizierung von TrauerbegleiterInnen. Hierzu werden zum einen vergleichend Konzepte und Curricula der im Bundesverband Trauerbegleitung e.V. vertretenen Institute und andere Konzepte analysiert. Zum anderen werden Interviews mit zertifizierten und nicht speziell zertifizierten TrauerbegleiterInnen durchgeführt. Als Ergebnis wird eine idealtypische, systematisierte Gesamtübersicht über die expliziten und impliziten Theoriegehalte und die Wirkungsabsichten der Konzepte und Curricula für die Trauerbegleitung entwickelt.
  2. Untersuchung der Frage: Welche Wirkungen beobachten bzw. erleben BegleiterInnen und begleitete Menschen im Zuge der Trauerbegleitung? Dabei wird die bisher in dieser Forschungsfrage meist gegebene konzeptionelle und instrumentelle Fokussierung auf die Depression und ihre Auswirkungen erweitert mit Blick auf mögliche Wirkfaktoren der Salutogenese bzw. dem Sense of Coherence, von Self-Care- und Resilienz-Ansätzen und der Alltagsorientierung.
  3. Entwicklung von Essentials und Qualitätsstandards für die Qualifizierungskonzepte zur Trauerbegleitung, aber auch für die Qualifizierung und die Entlastung von Fachkräften in der stationären Pflege und Versorgung alter und/oder sterbender Menschen.

Zu erwartende Ergebnisse:

Kurzfristig:
Mit der Aufbereitung der Projektergebnisse z. B. für Handreichungen soll eine unmittelbare Verzahnung von Forschungs- und Anwendungsstrategien stattfinden. Die in solchen Handreichungen dargestellten Essentials können für systematisierte, inhaltlich präzise und von den Wirkungsabsichten her genauere Ausbildungs- und Qualifizierungskonzepte umgesetzt werden.
Von den Wirkungen der Trauerbegleitung abgeleitete, konzeptionelle Entwicklung von präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen und Strategien für MitarbeiterInnen (vor allem in der stationären Pflege) im Bereich des Umgangs mit den Belastungen durch Trauerprozesse nach dem Versterben von HeimbewohnerInnen.

Mittelfristig:
Entwicklung von exemplarischen Qualitätsstandards sowohl für die Qualifizierung als auch für die Praxis der Trauerbegleitung.
Überprüfung von Optionen, die Trauerbegleitung im Rahmen der leistungsgesetzlich gegebenen und beschriebenen Aufgaben in die strukturelle Förderung der Hospizarbeit gemäß § 39 SGB V zu integrieren.

Langfristig:
Die Ergebnisse des Projekts sollen einen mittelbaren Beitrag dafür leisten, dass von tief gehender und schwerer Trauer betroffene Menschen ihre Gesundheit möglichst lange erhalten können und nicht daran erkranken: und zwar als mögliche, jedoch vermeidbare Langzeitfolge nicht gut verarbeiteter Trauer und daraus resultierender nachlassender Selbstpflege.

Am 28. August 2013 wurden die Ergebnisse der Forschungsprojektes in Berlin vorgestellt. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie hier.

Downloads:
Projektantrag (pdf-Dokument)

Weiterführende Links:
Zur Website des Projekts "TrauerErLeben"

 

Zurück