Umgang mit Sterben, Tod und Trauer - Ein Konzept für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13

15.02.2011 - 12:00

Projektträger: Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln in Kooperation mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband e.V.
Projektleitung: Nicole Nolden (Zentrum für Palliativmedizin)
Projektlaufzeit: 01.07.2010 bis 30.06.2012
Projektmitarbeiterinnen: Kirsten Fay (Zentrum für Palliativmedizin), Rita Schmitz (Ökumenischer Hospizdienst – Königswinter e.V.)
Erste kooperierende Schule: CJD Christophorusschule Königswinter

Hintergrund:
Neben dem Zuhause ist die Schule der bedeutsamste Ort, an dem sich Jugendliche aufhalten. Davon ausgehend, dass sich in jeder Schulklasse auch Jugendliche in einer akuten Trauersituation um einen ihnen nahe stehenden Menschen befinden, berührt das Thema „Sterben, Tod und Trauer, Verlust und Vergänglichkeit“ alle Schülerinnen und Schüler, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Der Schule kommt daher eine besondere Aufgabe zu. Doch die Thematik wird nur punktuell in einzelnen Unterrichtsfächern behandelt, eine explizite Aufnahme in die Schulprogramme findet nicht statt. Das ist insofern problematisch, weil vor allem Jugendliche im Alter zwischen 15 bis 18 Jahren besondere Schwierigkeiten aufweisen, wenn ein nahe stehender Mensch stirbt. Unsere Erfahrungen belegen, dass Heranwachsende einen erschwerten Zugang zum Thema Sterben, Tod und Trauer finden und in besonderem Maße leiden, weil sie sich seltener öffnen können und sich in ihrem Schmerz zurückziehen.

Ziel des Projekts
Ziel des 2010 am Zentrum für Palliativmedizin in Köln und in Kooperation mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband gestarteten Projekts ist es, einen geschützten Raum für Jugendliche in der Schule zu schaffen. Im Gespräch mit Gleichaltrigen wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, durch eine offene und Angst reduzierende Kommunikation Handlungsstrategien für einen ihren Bedürfnissen angepassten Umgang mit der Trauer zu erarbeiten. Vorrangig ist dabei die Hilfe zur Selbsthilfe durch konkrete Wissensvermittlung, wie z. B. das Aufzeigen professioneller Hilfsmöglichkeiten durch Palliativ- und Hospizarbeit, Sensibilisierung der Jugendlichen für eigene und fremde Wünsche und Bedürfnisse durch kreative Selbsterfahrungsübungen, Stärkung ihres Selbstwertes sowie Unterstützung bei der Entwicklung individueller Bewältigungsstrategien. In flexibel gestalteten Unterrichtseinheiten werden Jugendlichen Verarbeitungshilfen für angstbesetzte Stressbelastungen angeboten. Dies ermöglicht ihnen, sich aktiv und bewusst mit der Situation auseinanderzusetzen, ohne sich Gefühlen von Hilflosigkeit in einer für sie unkontrollierbaren Situation ausgeliefert zu fühlen – was im Extremfall zu einer Traumatisierung führen kann. Auf diese Weise vermittelt das Projekt Jugendlichen Halt und Orientierung.

Vorarbeiten zum Projekt
Ein Konzept musste entwickelt werden, das Jugendliche bei der Trauerarbeit unterstützt und ihnen Möglichkeiten im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer aufzeigt. Dafür nahm das Zentrum für Palliativmedizin im Juni 2009 zwei Schüler für ein zweiwöchiges Praktikum auf. Mit Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums für Palliativmedizin lieferten die Schülerin und der Schüler in dieser Zeit wichtige Vorarbeiten für ein Schulungskonzept, um ihren Mitschülerinnen und Mitschülern die Thematik nahe zu bringen. Dabei griffen sie vor allem auf ihre Praktikumserfahrungen zurück.

Der so gemeinsam mit der Schülerin und dem Schüler entwickelte Inhalt des Projektunterrichts sieht vor, dass die Jugendlichen selbständig erarbeiten, was Lebensqualität für sie bedeutet. An das Thema Trauer werden die Schüler durch praktische Übungen herangeführt. Ziel des Projektunterrichts ist eine ‚Bewusstseinserweiterung’ der Teilnehmenden sowie eine Sensibilisierung für den Umgang mit betroffenen Mitschülerinnen und Mitschülern.

Projektdurchführung
Während der Zeit des Pilotprojekts werden Projekttage in allen Schulformen in Köln und Umgebung durchgeführt. Schülerinnen und Schüler werden gebeten, vor und nach dem Projektunterricht einen anonymisierten Fragebogen auszufüllen. Basierend auf der Auswertung der Antworten und den Erfahrungen während des Projektunterrichts wird das Konzept bei Bedarf angepasst. Am Ende der Projektlaufzeit werden die Ergebnisse in einem Handbuch festgehalten.

Die Schule selbst spielt bei der Durchführung des Projektunterrichts eine wesentliche Rolle. Der Schulleiter entscheidet in Abstimmung mit den Lehrerinnen und Lehrern, zu welchem Zeitpunkt und in welchen Schulklassen ein solcher Projektunterricht in den Schulablauf eingebunden wird. Ein Lehrer steht Schüler vor und nach Durchführung des Projektes als Ansprechpartner für die Schülerinnen zur Verfügung. Er arbeitet eng mit den Mitarbeiterinnen des Projektes zusammen. Zudem entscheidet er über die Freistellung einzelner Schülerinnen und Schüler, wenn aufgrund persönlicher Betroffenheit eine Teilnahme an dieser Pflichtveranstaltung nicht zumutbar ist.

Der Projektunterricht wird von erfahrenen und kompetenten Mitarbeiterinnen des Zentrums für Palliativmedizin, Uniklinik Köln, durchgeführt. Alle Mitarbeiterinnen haben langjährige Erfahrungen in der Sterbe- und Trauerbegleitung. Bei der Durchführung des Projektunterrichts wird sehr sensibel darauf geachtet, Schülerinnen und Schüler nicht zu überfordern. Alle drei Mitarbeiterinnen sind zudem im Umgang mit Krisensituationen professionell ausgebildet.

Weitere Projektplanung
Im Juni 2010 wurde an der Schule CJD Königswinter erstmalig das erarbeitete Konzept praktisch umgesetzt. Mit Unterstützung der Projektmitarbeiterinnen führten die beiden Praktikanten erfolgreich eine Projektschulung in der 11. und 12. Klasse durch. Sie konnten so das Thema „Sterben, Tod und Trauer“ anderen Schülerinnen und Schülern in ihrer Altersklasse näher bringen. Auf der Grundlage dieser positiven Erfahrungen, ist der bundesweite Ausbau des Projektunterrichts an weiterführenden Schulen geplant. Dazu bedarf es dann auch einer deutschlandweiten Schulung von ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern, die als Multiplikatoren das Thema Sterben, Tod und Trauer Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 9 bis 13 mittels dieses Projektunterrichts näher bringen.

Weiteres Material:
Flyer zum Projekt (pdf-Datei)
Plakat zum Projekt (pdf-Datei)
Mitwirkende im Projekt (pdf-Datei)
Statements (pdf-Datei)

Weiterführender Links:
Zentrum für Palliativmedizin, Uniklinik Köln (Link)
CJD Christophorusschule Königswinter (Link)

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