Keine Hilfe zum Sterben, sondern Begleiten im Sterben

23.09.2015 - 09:00

Anlässlich der Anhörung im Deutschen Bundestag zum Thema "Sterbebegleitung" begrüßt der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) den Gesetzentwurf zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung der Gruppe um die Abgeordneten Michael Brand und Kerstin Griese. „Mit der Möglichkeit, auch gegen die geschäftsmäßige, d.h. regelmäßig wiederkehrende oder serielle Unterstützung der Selbsttötung vorzugehen, auch wenn sie nicht auf Gewinn abzielt, folgt der Gesetzentwurf einer zentrale Forderung des DHPV“, so Geschäftsführer Benno Bolze. Der DHPV hat seine Position in einer Stellungnahme erläutert und diese den Mitgliedern des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags zur Verfügung gestellt.

Die Entwürfe, welche die Beihilfe zum Suizid als Aufgabe des Arztes explizit vorsehen, lehnt der DHPV ausdrücklich ab. „Dies hätte unübersehbare Konsequenzen für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient“, so Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV und Palliativmediziner. Der DHPV befürwortet darüber hinaus ein Verbot der Werbung für alle Formen der Beihilfe zum Suizid.

Der DHPV lehnt alle Formen der gewerblichen und organisierten Beihilfe zum Suizid auch deshalb ab, weil eine Normalisierung der Beihilfe zum Suizid den Druck auf kranke und alte Menschen erhöhen würde, anderen nicht zur Last fallen zu wollen. Das kann in einer solidarischen Gesellschaft nicht gewollt sein. Der Verband verweist in seiner Stellungnahme nochmals darauf, dass in modernen und aufgeklärten Gesellschaften Selbstbestimmung und Autonomie zwar zentrale Werte sind, die Wertedebatte jedoch nicht einseitig zugunsten einer individualisierten und auf Leistung hin ausgerichteten Gesellschaft geführt werden darf. Die Akzeptanz von Abhängigkeit und die Bereitschaft, für andere Sorge zu tragen, ist Voraussetzung für jede menschliche Gesellschaft. Insofern steht mit der Gesetzgebung die Sorgefähigkeit der Gesellschaft auf dem Prüfstand.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV) ist die bundesweite Interessenvertretung der Hospizbewegung sowie zahlreicher  Hospiz- und Palliativeinrichtungen in Deutschland. Als Dachverband der überregionalen Verbände und Organisationen der Hospiz- und Palliativarbeit sowie als selbstverständlicher Partner im Gesundheitswesen und in der Politik steht er für über 1000 Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen, in denen sich mehr als 100.000 Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich engagieren.

Stellungnahme zur Anhörung des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz am 23.09.2015 zu den Anträgen bzw. Gesetzentwürfen zur Regelung der Sterbehilfe (Link)


Kontakt: Angela Hörschelmann, a.hoerschelmann@dhpv.de, Telefon: 030 82 00 758 17

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