Für den weiteren Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung und für ein Verbot der gewerblichen und organisierten Beihilfe zum Suizid

02.10.2014 - 09:00

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) hat sich auf einer Pressekonferenz in Berlin erneut für den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung und für ein Verbot der gewerblichen und organisierten Beihilfe zum Suizid ausgesprochen.

„Organisierte und gewerbliche Formen der Beihilfe zum Suizid lehnt der DHPV ab, ebenso die Beihilfe zum Suizid durch Ärzte. Ärztinnen und Ärzte tragen im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen eine besondere Verantwortung. Der ärztlich assistierte Suizid hätte unübersehbare Konsequenzen für die Haltung und das Handeln der Ärzte sowie für das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. In einer vertrauensvollen Begleitung ist es Aufgabe des Arztes, Schmerzen und Symptome zu behandeln und zu lindern“, so Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, komm. Vorsitzender des DHPV.

Petra Anwar, Palliativärztin aus Berlin, berichtete aus der Praxis: „Sicher erlebe ich, dass Patienten sagen: Ich will nicht mehr, geben Sie mir was!“ Der Wunsch, bei schwerer Krankheit sein Leben zu beenden, habe aber immer Gründe, etwa stärkste Schmerzen und Atemnot. Die Palliativmedizin sei mittlerweile so weit entwickelt, dass man schwerstkranken und sterbenden Menschen durch die entsprechende Symptomlinderung Lebensqualität, Sicherheit und einen guten Tod ermöglichen kann. „Dann tritt der Wunsch zu sterben in den Hintergrund. Die allermeisten Menschen hängen nämlich am Leben, auch und gerade, wenn sie schwer krank sind.“

Dies bestätigt auch Kerstin Kurzke vom Malteser Hospiz- und Palliativberatungsdienst in Berlin. „Neben Schmerzen und körperlichen Symptomen wie Übelkeit und Atemnot haben die Menschen Angst vor dem Alleinsein, davor, anderen zur Last zu fallen, davor, nicht „gut“ zu sterben. Hier können die ambulanten Hospizdienste ganz viel Entlastung schaffen.“ Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleisten die psychosoziale Begleitung. „Das ist die umfassende emotionale Unterstützung des sterbenden Menschen und seiner Angehörigen, indem man beim Erleben und Verarbeiten der Gefühle, die in Zusammenhang mit der Erkrankung und dem bevorstehenden Tod entstehen, zur Seite steht. Das heißt: nicht allein sein müssen, Nähe erleben und Kontakte pflegen zu können, Unterstützung zu finden sowie die Möglichkeiten zu haben, über die Krise und die damit verbundenen Gefühle zu reden.“ Die Ehrenamtlichen können beim Sterbenden sein, wenn Angehörige auch mal "Pause" machen wollen, wenn andere Termine dran sind. Wenn gewünscht, wird die Begleitung der Angehörigen in der Zeit der Trauer weitergeführt.

Benno Bolze, Geschäftsführer des DHPV, verwies noch einmal auf die grundsätzliche  Bedeutung der Diskussion über die Formen der Beihilfe zum Suizid. "An der Entwicklung in den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden sehen wir, wohin die dortigen früheren Diskussionen geführt haben. Zuerst waren es allein Menschen mit schwersten körperlichen Leiden, bei denen Beihilfe zum Suizid und auch aktive Sterbehilfe ermöglicht wurde, dann auch Menschen mit psychischen Leiden, seit Anfang des Jahres ist in Belgien aktive Sterbehilfe auch bei Kindern und Jugendlichen möglich und nun auch für Strafgefangene.“

Es ist sehr wichtig, so Bolze, dass die Diskussion in Deutschland nicht nur auf die strafrechtliche Debatte beschränkt bleibe. Sie müsse mit dem Ziel des weiteren Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung auch auf der politischen Ebene geführt werden. Nur so werde glaubhaft, dass schwerstkranke und sterbende Menschen Teil der Gesellschaft sind, in ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen werden und somit entsprechende Versorgungs- und Begleitungsangebote zeitnah an jedem Ort in Deutschland zur Verfügung stehen.

„Parallel zu einem weiteren Ausbau der Versorgung brauchen wir in Deutschland eine breite Information aller Menschen über die Angebote der Hospiz- und Palliativdienste und -einrichtungen. Hier ist ein großer Bedarf“, so Hardinghaus abschließend.

Hier finden Sie die digitale Pressemappe.

Kontakt DHPV: Angela Hörschelmann, Aachener Str. 5, 10713 Berlin, Tel: 030 8200 758 17, Mail: a.hoerschelmann@dhpv.de

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