Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung zeichnet kultursensible Hospizarbeit aus

16.12.2013 - 12:00

PRESSEMITTEILUNG

Die Sprache der Kindheit
Am 18. Dezember ist Tag der Menschen mit Migrationshintergrund: Die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung zeichnet innovative Projekte der kultursensiblen Hospizarbeit aus

Berlin, 16.12.2013. Die Begleitung und Betreuung von schwerstkranken und sterbenden Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen nimmt im Rahmen der Hospiz- und Palliativarbeit einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Innovative Projekte in diesem Bereich wurden jetzt von der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung mit dem DHPStiftungspreis 2013 ausgezeichnet.

„Wenn wir Menschen aus anderen Kulturen gut begleiten wollen, dann geht das nur, wenn wir für die jeweils geltenden Familien- und Rollenverständnisse sowie die Haltungen und Tabus im Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod offen sind und diese berücksichtigen.“, so Karen Wienholt vom Hospizdienst DaSein e.V. in München, die für das Projekt „Sterbebegleitung für Menschen mit Migrationshintergrund“ den 1. Preis entgegen nahm. Hierzu wurde ein individuelles Betreuungskonzept entwickelt sowie die Vernetzung mit kulturellen und religiösen Migrantenorganisationen, mit Übersetzern und spezifisch erfahrenen Ärzten vorangetrieben. „Außerdem erhalten die ehrenamtlichen Hospizbegleiter und -begleiterinnen in speziellen Schulungen Einblick in verschiedene Kulturen und Religionen, in Migrationsprozesse und die Traumata, die mit einer solchen Entwurzlung einhergehen können“, so Wienholt weiter. „Und sie lernen es, ihre eigene kulturelle Prägung zu hinterfragen und neugierig und offen auf das Fremde zuzugehen.“

Den 2. Preis nahmen Tamara Maier und Kerstin Kurzke vom Malteser Hilfsdienst Berlin für ihr Projekt „Wenn die russische Seele trauert“ entgegen. Bereits seit 2004 bildet der Malteser Hospiz- und Palliativberatungsdienst russisch sprechende Hospizbegleiter für die Sterbebegleitung aus und begleitet russischsprachige schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen in der Heimatsprache. „Die gleiche Herkunft, Sprache und Kultur wird auch für Menschen, die gut deutsch sprechen, wieder ganz wichtig, wenn sie schwerkrank sind oder um einen Angehörigen oder Freund trauern. In diesen schweren Zeiten des Lebens ist es wichtig, sich in der Sprache der Kindheit mitteilen und austauschen zu können“, so Tamara Maier, die beim Malteser Hilfsdienst in Berlin die Ausbildung und den Einsatz russisch sprechender Hospizbegleiter koordiniert.

Der 3. Preis ging an den Ambulanten Lazarus Hospizdienst ebenfalls aus Berlin für sein Angebot „Am Lebensende fern der Heimat – Transkulturelle Sterbebegleitung“. Im Berliner Bezirk Mitte, wo fast jeder zweite Mensch einen Migrationshintergrund hat, möchten Lydia Röder und Elizabeth Schmidt-Pabst Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen die Angebote des Hospizes zugänglich machen, zunächst in polnischer, arabischer und türkischer Sprache. „Bei diesen Menschen ist die Sorge füreinander durch die Familie und die Gemeinde sehr stark ausgeprägt. Die Angebote der Hospizarbeit bekannt zu machen, braucht Zeit, Einfühlungsvermögen und vor allem den Zugang über Menschen, die in beiden Kulturen zuhause sind“, so Elizabeth Schmidt-Pabst. Über den Kontakt zu solchen ‚Brückenmenschen’, etwa zu etablierten Beratungsstellen, zum Muslimischen Seelsorge Telefon oder zum Imam, können Menschen mit Migrationshintergrund für die ehrenamtliche Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden gewonnen werden. „Nur so ist es möglich, allen Menschen den Zugang zu den Angeboten der Sterbebegleitung zu ermöglichen und auch in diesem Bereich die gesellschaftliche Chancengleichheit zu fördern.“

Dr. Erich Rösch, Vorstand der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung, bedankte sich bei den Koordinatorinnen der Projekte. „Für unsere zukünftige Arbeit ist es von großer Bedeutung, im Bereich der kultursensiblen Hospizarbeit tragfähige Konzepte (weiter) zu entwickeln, die die Besonderheiten der betroffenen Menschen noch stärker in den Blick nehmen. Mit der Auszeichnung wollen wir diese innovativen und wegweisenden Projekte bekannt machen und zu deren Nachahmung anregen.“

Weitere Informationen

Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung und Stiftungspreis
Die Stiftung fördert und unterstützt zukunftsweisende Projekte in der Hospizbewegung und Palliativversorgung. Sie informiert und bildet Menschen, die sich mit den Themen der Hospizarbeit beschäftigen, durch die Angebote der DHPAkademie. Mit dem alljährlichen DHPStiftungspreis anerkennt und würdigt sie Menschen und Projekte, die zur Verbreitung der Hospizidee beitragen. Die Stiftung wurde 2010 vom Deutschen Hospiz- und PalliativVerband, dem Dachverband von über 1000 Hospizvereinen und Palliativeinrichtungen, als selbständige Stiftung gegründet. Der DHPStiftungspreis wurde 2012 zum ersten Mal an innovative Projekte vergeben, die zur nachhaltigen Entwicklung von Hospiz- und Palliativarbeit in kommunalen Strukturen beitragen und Modellcharakter haben.
Die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung prämiert seit 2012 Projekte, die zur nachhaltigen Entwicklung Hospiz- und Palliativarbeit beitragen sowie die Mitarbeit von ehrenamtlich Engagierten fördern.

Kontakt:
Hospizdienst DaSein e.V.
Karen Wienholt
Telefon: 089 24 20 66 06
info@hospiz-da-sein.de
www.hospiz-da-sein.de

Malteser Hospiz- und Palliativberatungsdienst
Tamara Maier
Telefon: 030 65 66 1780, 030 65 66 17817
hospiz-berlin@malteser.org
www.malteser-berlin.de

Lazarus Hospiz
Elizabeth Schmidt-Pabst
Telefon 46705276
lazarushospiz-ambulant@lobetal.de
www.lobetal.de

Angela Hörschelmann
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 030/8200758-17
Mobil: 0178/4066041
a.hoerschelmann@dhpv.de
www.dhpv.de

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