Beihilfe zum Suizid durch Ärztinnen und Ärzte darf es nicht geben

10.05.2011 - 12:00

PRESSEMITTEILUNG
Der DHPV und sein wissenschaftlicher Beirat fordern anlässlich des bevorstehenden 114. Deutschen Ärztetages: Beihilfe zum Suizid durch Ärztinnen und Ärzte darf es auch zukünftig nicht geben

„Mit der Veranstaltung wollen wir deutlich machen, dass bei der Begleitung sterbender Menschen ihre Bedürfnisse und Wünsche im Mittelpunkt stehen müssen. Sie müssen darauf vertrauen können, dass auch dann, wenn eine Krankheit leidvoll und schwer zu ertragen ist, alles getan wird, um ihre Beschwerden zu lindern,“ dies sagte Dr. Birgit Weihrauch, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) anlässlich der am 9. Mai vom DHPV und seinem wissenschaftlichen Beirat durchgeführten Diskussionsveranstaltung „Das sanfte Sterben – Brauchen wir den ärztlich assistierten Suizid?“ „Ärztinnen und Ärzte tragen hier eine besondere Verantwortung, ihre Mitwirkung bei der Selbsttötung würde das ärztliche Selbstverständnis und ihr Verhältnis zu ihren Patientinnen und Patienten grundlegend verändern“, so Weihrauch weiter.

Aus Anlass des bevorstehenden 114. Deutschen Ärztetages diskutierten Vertreter aus Hospizbewegung und Palliativmedizin, Ärzteschaft, Wissenschaft und Gesundheitssystem über die Frage, ob zukünftig die Hilfe bei der Selbsttötung durch Ärztinnen und Ärzte berufsrechtlich zulässig sein soll. „Die große Resonanz auf die Veranstaltung macht deutlich, wie notwendig ein offener und differenzierter Dialog ist. Niemand macht es sich in dieser schwierigen Frage um den ärztlich assistierten Suizid leicht. In einer alternden Gesellschaft aber brauchen wir vor allem den weiteren Ausbau einer guten Pflege und einer Hospiz-und Palliativversorgung, die allen Menschen zur Verfügung steht, die sie benötigen. Der ärztlich assistierte Suizid wäre die falsche Antwort“, so Professor Dr. Rochus Allert, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des DHPV. Der DHPV hat vor dem Hintergrund dieser Diskussion gemeinsam mit seinem Wissenschaftlichen Beirat auch eine entsprechende Resolution an den Deutschen Ärztetag gerichtet.

Zum Hintergrund: Am 17. Februar hatte die Bundesärztekammer die Neufassung der „Grundsätze zur ärzt­lichen Sterbe­begleitung“ veröffentlicht. In ihrer Präambel findet sich nun statt der bisherigen Formulierung, dass die Mitwirkung des Arztes an der Selbsttötung des Patienten dem ärztlichen Ethos widerspreche, die Formulierung “Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe.“ Diese Neuformulierung, und vor allem die anstehenden Diskussionen über die Weiterentwicklung der „(Muster-) Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte“, über die voraussichtlich auf dem 114. Deutschen Ärztetag vom 31.05. bis zum 03.06.2011 entschieden wird, haben kontroverse Diskussionen über die Frage des ärztlich assistierten Suizids ausgelöst. Vor allem aus der Ärzteschaft selbst und aus zahlreichen Hospiz- und Palliativ-Organisationen und -Einrichtungen wurde hierzu eindeutig öffentlich Stellung bezogen, indem die ärztliche Beihilfe zum Suizid abgelehnt wird. Denn der ärztlich assistierte Suizid habe unübersehbare Konsequenzen für die ärztliche Haltung und das ärztliche Handeln, für ihre Verantwortung und für ihr Vertrauensverhältnis zu ihren Patientinnen und Patienten. Der DHPV wird sich auch in Zukunft gemeinsam mit seinen Partnern für den weiteren Auf- und Ausbau der hospizlichen und palliativen Versorgungsstrukturen einsetzen, damit alle Menschen, die diese Versorgung benötigen, einen Zugang dazu bekommen.

Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband wurde als Dachverband von nahezu 1000 Hospizvereinen und Palliativeinrichtungen mit inzwischen rund 80.000 Ehrenamtlichen und zahlreichen hauptamtlich Engagierten im Jahre 1992 gegründet und vertritt deren Interessen und die Belange der schwerstkranken und sterbenden Menschen gegenüber Politik und Gesundheitswesen. Zahlreiche Organisationen und Persönlichkeiten der Hospizbewegung und Palliativmedizin sind darüber hinaus Mitglied im DHPV.

Renommierte Wissenschaftler aus allen Bereichen der Gesellschafts-, Gesundheits- und Sozialpolitik bilden seit Jahren den wissenschaftlichen Beirat des DHPV, beraten den DHPV und unterstützen die Umsetzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Hospiz-und Palliativarbeit.

Die Resolution als Download (pdf-Datei)
Die Pressemitteilung als Download (pdf-Datei)

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