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Laudatio zu Ehren von Stefan Weiller

von Dr. Anja Schneider, stellvertretende Vorsitzende des DHPV

Es ist von besonderer Bedeutung, dass die Hospiz- und Palliativarbeit in der vielfältigen Medienlandschaft und in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam macht. Geehrt werden in der Kategorie „Medien“ deshalb Persönlichkeiten, die durch ihren Einsatz für die Hospiz- und Palliativarbeit zu einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft im Umgang mit Sterben und Tod beitragen.

Ich freue mich sehr, diesen Ehrenpreis heute– nach Bettina Tietjen, Arno Geiger, Andrea Berg, Dada Peng um nur einige zu nennen – an Stefan Weiller übergeben zu können. Wir möchten damit, lieber Herr Weiler, Ihr Engagement für die Hospizidee und -arbeit, vor allem Ihr Projekt „... und die Welt steht still… Letzte Lieder und Geschichten aus dem Hospiz“ würdigen.

Für alle, die das Projekt nicht kennen: Für die „Letzten Lieder“ spricht Stefan Weiller mit schwerstkranken und sterbenden Menschen zu den Liedern und musikalischen Erinnerungen, die für sie im Leben bedeutsam waren, und arrangiert Texte und Musik zu sehr bewegenden Aufführungen. Was dabei entsteht, verdankt sich zum einen dem Herzblut, mit dem Stefan Weiller die „Letzten Lieder“ sammelt. Hinzu kommt die absolut ausgereifte Umsetzung an sehr speziellen Orten, häufig Kirchen, mit professionellen Musikerinnen, Sängerinnen und Schauspielern wie Christoph Maria Herbst oder Hansi Jochmann, deren warme Stimme Sie alle als Synchronstimme von Jodie Foster kennen.

Die „Letzten Lieder“ sind somit ein Projekt zwischen Dokumentation, Kunst, Theater und Musik. Und sie sind ein sehr aufwändiges Projekt, nichts, was nebenbei geschieht. Schon die Zeit, die Stefan Weiller auf Einladung schwerstkranker und sterbender Menschen in stationären Hospizen oder – in Begleitung einen ambulanten Hospizdienstes – bei den Menschen zu Hause verbringt, ist durch den intensiven Austausch über das gelebte und sich dem Ende zuneigende Leben ein Geschenk. „Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen“ wusste schon Franz von Assisi – und ganz sicher auch das Gespräch über Lieblingsmusik, die Erinnerung an Situationen im eigenen Leben, die mit einem ganz bestimmten Lied untermalt waren.

Jeder von Ihnen weiß, wie tief Musik in das Innerste eines Menschen vordringen kann, viele von Ihnen haben vielleicht sogar selbst diesen „Soundtrack“ des Lebens, dem Stefan Weiller zusammen mit den schwerstkranken und sterbenden Menschen nachgeht oder besser nachlauscht. Denn „Nichts ruft die Erinnerung an die Vergangenheit so lebhaft wach wie die Musik“, wie auch die Schriftstellerin Anne Louise Germaine de Staël wusste.

Bis heute hat Stefan Weiller mit 118 Menschen in Hospizen – von Schleswig Holstein bis Bayern – für das Projekt über Lieder und Geschichten ihres Lebens gesprochen. Außerdem haben ihm 41 Menschen für das Projekt von den Liedern eines Angehörigen erzählt.

Bei der Aufführung der „Letzten Lieder“ in Berlin im November 2015 in der Marienkirche waren die Lieder des Abends so unterschiedlich wie die Menschen, die sie sich gewünscht hatten. Sie reichten von Grönemeyer und Johnny Cash über Paul Gerhardt und Whitney Houston bis hin zu Monteverdi und David Bowie. Volkslied stand neben Popsong, Streichquartett neben Schlagzeug. Das Publikum hier wie bei den mittlerweile zahlreichen anderen Aufführungen etwa in Aschaffenburg, Darmstadt, Esslingen, Ettlingen, Frankfurt, Hamburg, Kiel, Kirchheim Teck, Seligenstadt und Wiesbaden zeigte sich tief bewegt. Nicht wenige Gäste empfinden die „Letzten Lieder“ als Geschenk, das noch lange nachklingen wird.

Damit sensibilisiert Stefan Weiller ganz im Sinne der Hospizidee für den Wert, die Würde, die Einmaligkeit eines jeden gelebten Lebens. Das besondere des Projektes spricht darüber hinaus auch die Journalisten und Medienleute an. Im Fernsehen und im Radio sowie in vielen Zeitungen unter anderem in Die Zeit, FAZ, Frankfurter Rundschau, Die Welt wurde schon über das Projekt berichtet. Und somit auch über die Hospizidee und unsere Arbeit – denn es ist ein zutiefst hospizliches Projekt.

Alle, die neugierig geworden sind, möchte ich noch einmal herzlich zur Auftaktveranstaltung unseres Jubiläumsjahres einladen, die Herr Weiller und einige Kolleginnen einen kleinen Auszug aus den „Letzten Liedern“ bereichern werden. Heute darf ich, lieber Herr Weiller, Ihnen für Ihren Beitrag zum Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft, für Ihre Unterstützung der Hospizidee und vor allem für das, was Sie mit dem Projekt für schwerstkrane und sterbende Menschen und ihre Zugehörigen machen, unseren Ehrenpreis übergeben.

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