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Laudatio zu Ehren Dr. Brigitte Weihrauchs und Prof. Christof Müller-Busch

von Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV

Das Anliegen der Hospiz- und Palliativarbeit und damit des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands ist es, die Strukturen eines würdevollen Sterbens und die damit zusammenhängenden Rahmendbedingungen zu verbessern. Allerdings: Ohne das gemeinsame Engagement vieler Akteure in Politik und Gesellschaft wäre das nicht möglich. Aus diesem Grund ehrt der DHPV mit dem Preis in der Kategorie Strukturen und Rahmenbedingungen Menschen, die sich hier regional und/oder bundesweit nachdrücklich einsetzen.

Ich habe heute die besondere Ehre, den diesen Ehrenpreis an Sie, hochverehrte Frau Dr. Weihrauch, und an Sie, lieber Prof. Müller-Busch zu überreichen. Denn als Initiator*innen und Motoren der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland haben Sie sich in besonderer Weise um die Strukturen und Rahmenbedingungen der Hospiz- und Palliativarbeit verdient gemacht.

Ich möchte mit Ihnen zusammen kurz in die Vergangenheit und zu den Wurzeln des Chartaprozesses reisen. Entstanden ist das deutsche Charta-Projekt vor dem Hintergrund der Budapester Commitments, die auf dem 10. Kongress der European Association for Palliative Care (EAPC) 2007 vereinbart wurden. Ein erster Entwurf zur Charta wurde noch im selben Jahr von Ihnen, Prof. Müller-Busch als Vorsitzender der DGP zusammen mit den Kollegen Prof. Nauck und Prof. Voltz vorgelegt. Nun ging es darum, möglichst viele Leute in diesen Prozess zu involvieren. So bemühten Sie sich um die Bundesärztekammer und die anderen gesundheitsrelevanten Akteure. Sie, Frau Dr. Weihrauch, zu jener Zeit Vorsitzende des DHPV, haben in dem Ihnen eigenen leidenschaftlichen Engagement für unsere Sache sofort Feuer für das Thema gefangen und die relevanten gesundheitspolitischen Akteure kontaktiert. Schon 2008 lag ein erster gemeinsamer Entwurf aller drei Träger vor und der runde Tisch der Charta nahm seine Arbeit auf.

Die Arbeit, die Zeit, das Engagement und die Begeisterung, die Sie beide seither in den Chartaprozess gegeben haben, lassen sich kaum ermessen. Aber schon ein Blick auf die Besetzung des Runden Tisches zeigt, dass Sie beide scheinbar Unmögliches möglich gemacht haben: Wo sonst ist es möglich, neben zahlreichen Expertinnen und Experten über 50 Organisationen und Institutionen aus Gesellschaft und Gesundheitssystem für eine Idee zu begeistern, darunter XXXX . Es ist eine Tatsache, dass es keinen gesundheitspolitischen Prozess in Deutschland gibt, an dem so viele entscheidende Akteure an einem Strand ziehen – und das ist Ihr gemeinsamer Verdienst!

Nun ist bekanntlich Quantität nicht zwingend Qualität. Aber auch die Ergebnisse des Chartaprozesses und seine Kontinuität sprechen für sich: Schon im September 2010 wurde die Charta mit ihren fünf Leitsätzen im Konsens aller Akteure verabschiedet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Bis 2013 ging es darum, die Umsetzung der Charta in Form von Projekten voranzubringen und die Charta selber in der Öffentlichkeit zu verbreiten. So hatten zu Ende 2013 bereits mehr als 4000 Einzelpersonen und Organisationen die Charta unterzeichnet. Dass dieser Prozess bis heute anhält, zeigen aktuelle Zahlen: Über 17.500 Institutionen und Einzelpersönlichkeiten, darunter zahlreiche Politiker aller Ebenen, haben die Charta bis heute unterzeichnet und damit ein klares Signal gesetzt, ihre Umsetzung nachhaltig zu unterstützen.
In der dritten Phase der Charta von 2013 bis 2016 ging es darum, die Ziele der Charta im Rahmen einer Nationalen Strategie systematisch und verbindlich umzusetzen. Sie beide haben den Charta-Prozess nicht nur gemeinsam gestartet, sondern waren maßgeblich auch an der Erstellung der hierzu im November letzten Jahres vorgelegten „Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der Charta im Rahmen einer Nationalen Strategie“ beteiligt.

Sterben, Tod und Trauer noch stärker als bisher als Teil des Lebens zu begreifen, dies im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern und allen Menschen in Deutschland ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend einen gerechten Zugang zu einer würdevollen Begleitung und Versorgung am Lebensende zu ermöglichen – dafür schaffen der Chartaprozess und die Handlungsempfehlungen wichtige Voraussetzungen.

Denn nur, wenn die Bedürfnisse und Rechte schwerstkranker und sterbender Menschen noch stärker in die politischen Entscheidungsprozesse und die Gesellschaft integriert werden, können wir ihnen gerecht werden. Dazu haben Sie, liebe Frau Dr. Weihrauch, und Sie, lieber Prof. Müller-Busch, ganz wesentlich beigetragen.

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