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Laudatio zu Ehren von Elisabeth Hartmann und Petra Wahl

von Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV

Die Hospizbewegung entstand durch das Engagement und den Einsatz zahlreicher Bürger in der Gesellschaft. Und auch heute ist das ehrenamtliche Engagement in der Hospiz- und Palliativarbeit unersetzbar. Der Ehrenpreis in dieser Kategorie möchte deshalb das langjährige Engagement einzelner Ehrenamtlicher – stellvertretend für die zahlreichen anderen ehrenamtlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – auszeichnen.

Wir vergeben den Preis in der Kategorie Ehrenamt in diesem Jahr an Elisabeth Hartmann aus Halberstadt und an Petra Wahl aus Dresden.

Elisabeth Hartmann ist ehrenamtlich für den Hospizverein Regenbogen e.V. in Halberstadt tätig, der aus der Initiativgruppe pflegender Angehöriger hervorging und im Jahr 1996 gegründet wurde. Hier war Elisabeth Hartmann 2007 Teilnehmerin in einem der ersten Ausbildungskurse für ehrenamtliche Hospizbegleiter. Seit Beginn ihres ehrenamtlichen Engagements ist sie außerordentlich verlässlich und einfühlsam. Dass zeigte sich schon früh bei der Übernahme der 24 h Rufbereitschaft und bei der Durchführung von Erstgesprächen. Ihren Einsatz für schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige versteht sie als Berufung. Entsprechend kritisch stand sie dem Wechsel von einem ehrenamtlich hin zu einem hauptamtlich geführten Hospizverein gegenüber. Diese Skepsis ist seither gerade auch für die hauptamtlich tätigen Koordinatorinnen ein gutes Korrektiv. Auf der anderen Seite ist sie mit ihrer Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Empathie Vorbild für neue Ehrenamtliche, denen sie diese unerlässlichen Voraussetzungen für eine gute Begleitung nicht nur theoretisch vermittelt, sondern vorlebt.

2013 absolvierte Frau Hartmann den Kinderbegleitkurs. Ihr eigenes Betätigungsfeld innerhalb des Vereins fand sie in der Trauerbegleitung. Nachdem sie die Qualifikationen zur Trauerbegleiterin für Erwachsene und Kinder erlangt hatte, übernahm sie die Leitung und Organisation der Trauerarbeit für den Hospizverein Regenbogen. Sie entwickelte ein Curriculum, nach dem ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im eigenen Verein in der Trauerbegleitung ausgebildet wurden. Dieses Curriculum findet sich auch in der vom HPV Sachsen-Anhalt e.V. angebotenen Weiterbildung wieder.

Von den hauptamtlichen Kolleginnen wird sie neben ihrem Engagement und ihrer kritisch-konstruktiven Art vor allem auch für ihre Kreativität und ihren Ideenreichtum geschätzt. Beispielhaft hierfür ist die Arbeit mit der kleinen Schwester einer schwerstkranken jungen Frau, die von Frau Hartmann über einen längeren Zeitraum bis zu ihrem Tod begleitet wurde. Aus der Trauerarbeit mit der kleinen Schwester entstanden Bilder und Zeichnungen, (Heft zeigen) die zu einer Geschichte und einem Puppenspiel weiterentwickelt wurden. Dieses kommt heute als Einstieg in Gespräche zum Einsatz, wenn zum Beispiel in einer Kita ein Kind verstorben ist und Frau Hartmann die Pädagoginnen dort beim Umgang mit diesem Verlust unterstützt.

Auch darüber hinaus gestaltet Frau Hartmann das Vereinsleben und dessen Öffentlichkeitsarbeit aktiv mit, etwa anlässlich des 5-jährigen Jubiläums des Kinderhospizdienstes im letzten Jahr. Dabei hinterfragt sie nicht nur die Arbeit der hauptamtlichen Koordinatorinnen und die finanzielle Ausgaben des Vereins, sondern stets auch sich und die eigene Arbeit. Mit den 50-60 Stunden, die sie sich jeden Monat ehrenamtlich für den Hospizdienst engagiert, ist sie seit vielen Jahren eine große Stütze – auch als qualifizierte und engagierte Ansprechpartnerin für den Hospiz- und Palliativverband Sachsen-Anhalt e.V.

Auch Petra Wahl aus Dresden wurde vor dem Hintergrund ihres außerordentlichen ehrenamtlichen Engagements für unseren Ehrenpreis vorgeschlagen. 2009/10 hat Frau Wahl beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Dresden den Ehrenamtskurs absolviert. Schon während des Vorbereitungskurses war sie sehr engagiert und zeigte, so berichtet uns die Koordinatorin, ihr „großes Herz“. Seither hat sie sich in den unterschiedlichen Bereichen für die lebensverkürzend erkrankten Kinder und ihre Familien eingesetzt. So galt ihr Augenmerk in der ersten Begleitung vor allem der Entlastung der Mutter. In einer anderen Begleitung war sie über anderthalb Jahre für ein schwermehrfachbehindertes Mädchen da, das Musik und Lieder liebte – und für das Frau Wahl unter anderem viel gesungen hat. Nach dem Tod des Mädchens hat Frau Wahl die trauernde Mutter begleitet und hat sich hier auch für neue, individuelle Formen der Trauer eingesetzt.

Neben der Begleitung hat Frau Wahl in den Vorbereitungskursen mitgewirkt und dort über ihr Ehrenamt berichtet. Sie hat neue Rituale entwickelt, nicht nur um den Abschied von verstorbenen Kindern würdevoll zu gestalten, sondern auch, um neue Ehrenamtliche in die Reihen des Hospizdienstes aufzunehmen. Und auch die Öffentlichkeitarbeit des Vereins hat Frau Wahl weiterentwickelt. So hat sie in den letzten Jahren maßgeblich das Benefizkonzert auf den Weg gebracht und somit wiederholt Anlass für Presseberichterstattung über den Verein geschaffen. Zudem hat sie sich anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Kinder- und Jugendhospizdienstes Dresden mit der Geschichte und des Dienstes auseinandergesetzt und diese für die Jubiläumsgäste in Szene gesetzt.

Die unterschiedlichen Facetten ihres Engagements – die intensive Erfahrung in der Begleitung, die Trauer- und die Öffentlichkeitsarbeit – hat Frau Wahl in ein Theaterstück eingebracht, dass der Landesverband Sachsen 2017 in Kooperation mit dem Staatschauspiel Dresden inszeniert hat und das die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase in den Fokus rückte. Auf der Bühne standen Frau Wahl und andere Ehrenamtliche, die dem Publikum durch selbstgeschriebene Texte persönliche Einblicke in ihre Gedanken- und Erfahrungswelten gegeben haben. Ich hatte leider nicht das Glück, dieses Stück sehen zu dürfen, habe aber gehört, dass Frau Wahl in Ihrer Wahrhaftigkeit sehr bewegend war.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Frau Hartmann, sehr geehrte Frau Wahl. Wir alle wissen, wo die Hospizarbeit und Palliativversorgung in Deutschland ihren Ursprung genommen hat und worauf sie ihrem Wesen nach bis heute beruht – im bzw. auf dem ehrenamtlichen Engagement. Die Hospizarbeit ist von Menschen wie Ihnen in den 1980er Jahren in Deutschland auf den Weg gebracht worden, und sie ist heute und in Zukunft ohne Menschen wie sie, Frau Hartmann, und Sie, Frau Wahl, nicht möglich.

Der Preis, den wir Ihnen heute überreichen, steht für unseren Dank und unsere Anerkennung und natürlich als Ansporn für andere Menschen, sich in die Hospizarbeit einzubringen.

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