Die Hospiz-Zeitschrift 72

Sorge für die Seele

Die hospiz zeitschrift
Ausgabe 72
2017/1

Zur Sorge für schwerstkranke und sterbende Menschen gehört immer auch die Sorge für die Seele. Dabei geht es um die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ebenso wie um die Helfenden. Die Begegnung mit dem Tod rührt uns an, stellt viele Fragen an unser eigenes Leben und Sterben – wie viel mehr muss es dann erst sterbenden Menschen so gehen, und wie viel mehr bedürfen sie Menschen, die sie mit ihren Fragen und Ängsten nicht alleine lassen, obwohl wir ihnen ihre Ängste nicht nehmen und ihre Fragen nicht beantworten können und dies nicht einmal wollen sollten.

In dieser Ausgabe der hospiz zeitschrift kommen unterschiedliche Perspektiven zum Tragen. Allen gemeinsam ist, dass sie ein beredtes Zeugnis davon geben, wie unverzichtbar es ist, die spirituellen Fragen im Sterben in den Blick zu nehmen und „Handwerkszeug“ zu haben für die Sorge um die Seele, gleichzeitig zu wissen, dass Spiritual Care nicht wie Schmerztherapie nach einem Schema angewandt werden kann, sondern stets unsere höchste Aufmerksamkeit und Achtsamkeit fordert, um Menschen am Lebensende, Angehörige und uns selber nicht mit wenig hilfreichen Allgemeinplätzen zu trösten zu versuchen.

Inhalt

hospiz wissen

Gemeinsam Sorge(n) tragen und die Seele entlasten – Ethisch begründete Entscheidungen als nachhaltige Entlastung erleben
Annette Riedel

Trauer der Begleitenden / Sorge für die Seele – Mut zur Trauer!
Christine Boß-Engelbrecht

Spiritual Care als ehrenamtliche Kompetenz in der Hospizarbeit
Margit Gratz, Traugott Roser

hospiz projekt

Handreichung: Spiritualität in der Hospizarbeit
Torsten Ernst

hospiz gespräch

Sorge für die Seele - Ein Gespräch mit Elisabeth Kunze-Wünsch und Bernhard Bayer

Sorge für die Seele - Ein Gespräch mit Frauke Hinkelbein-Stöckel

hospiz praxis

Modellprojekt „Alevitische Seelsorge“ Von der Idee zur praktischen Umsetzung
Basri Askin

Rituale nach dem Tod – Respekt für die Toten und Trost für die Lebenden
Thile Kerkovius

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
nachdem im Dezember 2015 das Gesetz zur Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung in Kraft getreten war, ging und geht es vielfach um Strukturen, Qualifizierung, Finanzen, darum, die Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung noch weiter in die Breite zu bringen. Das ist erfreulich und notwendig, denn noch längst nicht ist überall in der Bundesrepublik die in der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen geforderte Letztverlässlichkeit eine reale Option.

Zur Sorge für schwerstkranke und sterbende Menschen gehört immer auch die Sorge für die Seele. Dabei geht es um die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen ebenso wie um die Helfenden. Die Begegnung mit dem Tod rührt uns an, stellt viele Fragen an unser eigenes Leben und Sterben – wie viel mehr muss es dann erst sterbenden Menschen so gehen, und wie viel mehr bedürfen sie Menschen, die sie mit ihren Fragen und Ängsten nicht alleine lassen, obwohl wir ihnen ihre Ängste nicht nehmen und ihre Fragen nicht beantworten können und dies nicht einmal wollen sollten.

In dieser Ausgabe der hospiz zeitschrift kommen unterschiedliche Perspektiven zum Tragen. Allen gemeinsam ist, dass sie ein beredtes Zeugnis davon geben, wie unverzichtbar es ist, die spirituellen Fragen im Sterben in den Blick zu nehmen und „Handwerkszeug“ zu haben für die Sorge um die Seele, gleichzeitig zu wissen, dass Spiritual Care nicht wie Schmerztherapie nach einem Schema angewandt werden kann, sondern stets unsere höchste Aufmerksamkeit und Achtsamkeit fordert, um Menschen am Lebensende, Angehörige und uns selber nicht mit wenig hilfreichen Allgemeinplätzen zu trösten zu versuchen.

Trost, so glauben wir, gibt es nicht wirklich. Trost, aus dem Hebräischen übersetzt, bedeutet jedoch „jemanden neben sich aufatmen lassen“. Das ist sehr wohl die Intension von „Sorge für die Seele“: dass Menschen neben uns tief Luft holen können, aufseufzen, um sich vielleicht für einen Moment Erleichterung zu verschaffen. Es bedeutet, dass wir gemeinsam mit ihnen seufzen, weil auch wir die Situation schwer finden und bisweilen unerträglich, aber wir sie miteinander zu tragen versuchen, ganz im biblischen Sinne: Einer trage des anderen Last. Wir wünschen eine anregende, berührende Lektüre, die Ihrer Seele wohltun möge.

Ihre Susanne Kränzle

Ihr Bernhard Bayer

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