Die Hospiz-Zeitschrift 71

Hospiz ist mehr!

Die hospiz zeitschrift
Ausgabe 71
2016/4

Hospiz ist mehr als stationäre und ambulante Hospizarbeit. Hospizlichkeit drückt sich aus in einer Offenheit für das Fremde, in der Gastfreundschaft und einer Sorgehaltung für vulnerable Menschen. Zugleich ist es Bewährungsprobe einer zivilen Gesellschaft, die die Menschenwürde dadurch verteidigt, dass sie Demütigungen von vulnerablen Menschen vermeidet. Die vielen geflüchteten Menschen in Europa stellen die Hospizlichkeit der Europäischen Union auf die Probe, die an dieser ebenso zu scheitern droht wie der bisher vorausgesetzte Konsens über die Bedeutung der Menschenrechte in Deutschland in Gefahr ist.

In dieser Ausgabe der Hospizzeitschrift wird der Blick über die Grenzen der engeren Hospizarbeit geworfen, etwa auf ambulant betreute Wohngemeinschaften, auf die transkulturelle Kompetenz in der Hospizarbeit, auf Kinder, die von dem Tod von Eltern und Großeltern betroffen sind, oder auf andere „Zielgruppen“, z.B. geistig behinderte Menschen.

Inhalt

hospiz wissen

Der sichere Tod in unsicheren Zeiten
Baldo Blinkert

Geteilte Verantwortung in ambulanten Pflege-Wohngruppen
Risiko oder „besondere hospizliche Qualität“?
Thomas Klie, Birgit Schuhmacher

„Auf das Fremde einlassen können …“
Schulungsbedarf ehrenamtlicher Hospizhelfer in transkultureller Kompetenz
Maria Wasner, Anne Katrin Kurz

Sind Kinder die „vergessenden Trauernden“?
Eine Befragung zur Einbeziehung minderjähriger Kinder in hospizlichen Kontexten
Patrizia Möllers, Nina Zippel, Lea Schmitz und Johannes Jungbauer

Zwischen den Stühlen– Hospizarbeit mit geistig behinderten Menschen
Sabine Schrade

hospiz comment

Lesbos – Zitadelle der Hospizlichkeit Europas?
Ein Kommentar von Thomas Klie

hospiz gespräch

Hospiz ist mehr!
Ein Gespräch mit Dirk Münch

hospiz praxis

„Dann klappt´s auch mit den Nachbarn …“
Zukunftsfähige Gemeinschaften fördern – Kirchengemeinden als Teil einer sorgenden Gemeinschaft
Kirsten Fehrs

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Hospiz ist mehr als stationäre und ambulante Hospizarbeit. Hospizlichkeit drückt sich aus in einer Offenheit für das Fremde, in der Gastfreundschaft und einer Sorgehaltung für vulnerable Menschen. Zugleich ist es Bewährungsprobe einer zivilen Gesellschaft, die die Menschenwürde dadurch verteidigt, dass sie Demütigungen von vulnerablen Menschen vermeidet. Die vielen geflüchteten Menschen in Europa stellen die Hospizlichkeit der Europäischen Union auf die Probe, die an dieser ebenso zu scheitern droht wie der bisher vorausgesetzte Konsens über die Bedeutung der Menschenrechte in Deutschland in Gefahr ist.

In dieser Ausgabe der Hospizzeitschrift wird der Blick über die Grenzen der engeren Hospizarbeit geworfen. Baldo Blinkert lädt in seinem Beitrag über den sicheren Tod in unsicheren Zeiten ein, unsere Auseinandersetzung mit Tod und Sterben in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen.

Die Hospizarbeit hat immer wieder auch andere Arbeitsfelder inspiriert. Besonders gut lässt sich das aktuell für ambulant betreute Wohngemeinschaften nachzeichnen, die nach dem Prinzip der geteilten Verantwortung arbeiten. Während die Finanzierung stationärer Hospize im Vergleich zu allen anderen Institutionen der Pflege ausgesprochen komfortabel ausfällt, gilt das für WGs keineswegs.

Auf das Fremde einlassen: die transkulturelle Kompetenz in der Hospizarbeit gewinnt angesichts der großen Zahl zugewanderter Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte an Bedeutung. Die Hospizidee muss sich neu öffnen für Menschen mit anderen kulturellen und religiösen Prägungen. Maria Wasner und Anne Katrin Kurz arbeiten die Bedeutung transkultureller Kompetenz in der ehrenamtlichen Arbeit heraus.

Hospizarbeit richtet sich nicht nur an die Sterbenden und Angehörige, sondern auch an Kinder, die von dem Tod von Eltern und Großeltern betroffen sind. Verarbeiten Kinder Tod und Sterben anders als Erwachsene? Patrizia Müller und KollegInnen stellen die Ergebnisse einer Befragung zur Einbeziehung minderjähriger Kinder vor.

Hospizarbeit hat lange den Fokus auf Schmerzpatienten, Patienten mit Krebserkrankungen gelegt. Hospizarbeit und Hospizlichkeit bewährt sich aber auch und gerade an anderen „Zielgruppen“. Wie ist es mit geistig behinderten Menschen? Auch sie sterben, meist ohne Angehörige. Wie werden sie begleitet? Sabine Schrade und Dirk Münch gehen den Fragen nach.

Eingangs wurde erwähnt: Hospizlichkeit ist nicht nur ein Thema für Sterbende, sondern insgesamt für vulnerable Menschen. Die Hospize, die Gasthäuser, die offen waren für die Pilger, für die Fremden, sie sind heute angesichts der großen Zahl geflüchteter Menschen hoch aktuell. Was hat das Willkommen von Geflüchteten und die Sorge um sie dort an den Grenzen Europas mit Hospizlichkeit zu tun?

Die Bischöfin Kirsten Fehrs geht dem Leitbild der sorgenden Gemeinschaften nach, an denen sich auch Kirchengemeinden orientieren für alle betonen. Daraus kann eine neue Kultur der Sorge werden, eine neue Nachbarschaftlichkeit.

Ihr
Prof. Dr.
Thomas Klie

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