Aktuelles > Unsere Medien > hospiz zeitschrift > Die Hospiz-Zeitschrift 69
Die Hospiz-Zeitschrift 69

Sorge tragen für das Alter

Die hospiz zeitschrift
Ausgabe 69
2016/2

Ethik, Alter, Sinn und Verantwortung. Wer sich sorgt um das menschliche Wesen, fühlt sich verantwortlich. Wer verantwortlich handelt, fühlt sich verpflichtet dem Alten, Kranken und Schwachen gegenüber. Nehmen wir diese Verpflichtung bedingungslos an, dann sprechen wir von gelebter Hospizkultur. Hospizkultur bedarf eines ethischen Diskurses, der Sorge trägt auch für das Alter. Die vorliegende Hospizzeitschrift belebt die Diskussion in vielerlei Hinsicht. Die Bedürfnisse der Menschen im Alter werden ebenso thematisiert wie die Entwicklung organisatorischer Strukturen. Im Praxisteil spiegeln sich Realität, Visionen und Supervision. Den Schlusspunkt setzt die Ehrenpreisträgerin des DHPV, Frau Afonin mit ihren Theaterprojekten.

Inhalt

hospiz haltung

Alter braucht eine Kultur der Haltung
Marina Kojer

hospiz wissen

Forschungsprojekt: Bedürfnisse von Menschen mit schwerer Demenz in der letzten Lebensphase
Holger Schmidt, Yvonne Eisenmann, Raymond Voltz, Klaus Maria Perrar

Weniger Krankenhaus – mehr Lebensqualität. Versorgung akut erkrankter Heimbewohner im Altenheim
Christel Bienstein, Nino Chikhradze, Almut Hartenstein-Pinter, Cäcilia Krügery

hospiz ethik

Ethik und Spiritual Care in Sorgeorganisationen. Integrative Verantwortungsethik, persönliche Sinnfindung und Teamentwicklung
Ruth Baumann-Hölzle, Regula Gasser

hospiz kultur

Kompetenzförderung durch eine ethisch-reflexive Organisationskultur
Meike Schwermann

hospiz praxis

Emotionales Lernen, szenisches Verstehen, atmosphärisches Erfassen. Hospizkultur und Palliativversorgung im Pflegeheim.
Robert Gottschalk

Herr Richard lebt jetzt im Heim – Geschichte eines Betroffenen. Begleitung zwischen Vision und Realität
Martina Kern

Hospiz tut gut. Sterbebegleitung im Pflegeheim
Theresa Reichert

hospiz kunst

Kunst trifft Alter und Sterben
Petra Afonin

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

der alte Mensch sieht sich inmitten der Gesellschaft als eine Last für den Anderen. So formuliert er in der Regel beim Einzug in ein Pflegeheim: „Ich will meiner Familie nicht zur Last fallen.“ Ein starker Satz von einem starken alten Menschen, aber zugleich auch die Entblößung einer schwachen Gesellschaft. Diese Erkenntnis lag auch dem Gesetzgeber vor, als er das Hospiz- und Palliativgesetz verabschiedete als Wegbereiter einer „anderen Sorgekultur“ für den alten Menschen.

Die Hospizkultur ist beispielhaft, wenn es um die Annahme der Hilfsbedürftigen geht. Diesem Prozess der sorgenden Haltung widmet sich die Ihnen vorliegende Hospizzeitschrift. Die vielfältigen Facetten werden wissenschaftlich ebenso in den Blick genommen wie auch Erfahrungen aus der Praxis. Mit gebotener Nachdenklichkeit werden Fragen gestellt, die eine Gesellschaft als Forderung ihrer solidarischen Tat beantworten kann. Eine sorgende Hospizkultur sieht hier nicht nur den alten Menschen, sondern auch die, die sich um ihn kümmern. Was brauchen die Helfer bei der täglichen Konfrontation mit Alter, Krankheit und Leiden? Wie können wir lernen, im Zeichen der Solidarität einander so zu begegnen, dass der alte Mensch die Bürde des Altwerdens nicht alleine trägt, sondern eingebunden sich wiederfindet im sorgenden Tun für ihn?

Der Reichtum des menschlichen Daseins offenbart sich in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Sorge für das Alter“.

Ihre Gerda Graf