Aktuelles > Unsere Medien > hospiz zeitschrift > Die Hospiz-Zeitschrift 68
Die Hospiz-Zeitschrift 68

Medien, Kunst und Kultur

Die hospiz zeitschrift
Ausgabe 68
2016/1

Der gesellschaftliche Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer spiegelt sich immer auch in Kunst und Kultur wider – und umgekehrt. Die vorliegende hospiz zeitschrift widmet sich dieser Wechselwirkung. Die Beiträge gehen einer „neuen Sichtbarkeit des Todes“ und den Veränderungen der Trauerkultur durch das Internet und die sozialen Medien nach. Sie beleuchten die künstlerische Produktivität im Angesicht des Todes, geben einen Überblick über die künstlerischen Therapien in der Hospiz- und Palliativarbeit und stellen spannende Projekte aus der Praxis vor.

Inhalt

hospiz wissen

Vom Umgang mit der Endlichkeit Der Begriff des „Ungelebten Lebens“ und die künstlerische Produktivität am nahenden Tod – am Beispiel Christoph Schlingensiefs
Peter Selg

Von Leichenbitter bis Beerdigungskuchen Zur Bedeutung traditioneller Bräuche im Kontext von Trauer- und Bestattungsritualen
Dagmar Hänel

Trauern im Internet
Birgit Aurelia Janetzky

Künstlerische Therapien in der Palliativversorgung – ein Review
Sabine C. Koch

hospiz gespräch

Von der neuen Sichtbarkeit des Todes und der Solidarität der Sterblichen
Ein Gespräch mit Thomas Macho
Angela Hörschelmann

hospiz praxis

„Wie bitte? Clowns am Sterbebett? Ist das denn angemessen?“
Petra Friedrich

durch einander - Zur Frage der Gastlichkeit angesichts der Kunst von Menschen mit Demenz
Oliver Schultz

Spätestens bei Cindy und Bert ist jede Befangenheit wie weggeblasen
Lars Kessner

Filmreihe „Filme vom Abschied“
Christine Buhl

hospiz aktuell

Die allgemeine ambulante Palliativversorgung - Zur Lage vor und nach dem Hospiz- und Palliativgesetz
Christine Bruker, Thomas Klie

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„Relax, I’m only here for the cake“ – unter diesem Motto findet in Oldenburg das sogenannte Death Café statt, wo die Gäste über die eigene Vergänglichkeit, den Tod und das Sterben ins Gespräch kommen können. Formate wie dieses gibt es mittlerweile weltweit. Sie sind Ausdruck eines neuen Umgangs mit schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer, der sich überall in der Gesellschaft zeigt und in den Kulturwissenschaften unter dem Begriff einer „neuen Sichtbarkeit des Todes“ firmiert.

Im vorliegenden Heft zeigt der Kulturwissenschaftler Thomas Macho im Gespräch die Bedeutung der sozialen Medien und des Internets für dieses seit 25 Jahren sich ausbreitende Phänomen. Wie sehr das Internet auch die Trauerkultur verändert hat, illustrieren der Beitrag von Dagmar Hänel, der einen Überblick über traditionelle Trauer- und Bestattungsrituale und deren Bedeutung für die Hinterbliebenen gibt, und die Beobachtungen von Birgit Aurelia Janetzky, die den Trauermöglichkeiten und -praktiken im Internet nachgeht. Und welche produktiven Kräfte eine lebensverkürzende Erkrankung freisetzen kann, zeigt Peter Selg am Beispiel des Film- und Theaterregisseurs sowie Aktionskünstlers Christoph Schlingensief.

In der Hospizarbeit und Palliativversorgung gehören künstlerische Therapien selbstverständlich zu einer umfassenden Begleitung. Sabine Koch gibt einen Überblick über den Forschungsstand zu Therapieformen wie Musik-, Tanz-, Bewegungs-, Theater- und Kunsttherapie. Oliver Schultz berichtet aus einem kunsttherapeutischen Angebot für Menschen mit Demenz (einige Abbildungen im vorliegenden Heft sind dort entstanden) und überträgt so Kunstbetrachtungsprojekte für dementiell erkrankte Menschen, wie wir sie aus dem MoMA in New York und dem Städel Museum in Frankfurt am Main kennen, in die Praxis.

Kunst und Kultur sowie Hospiz- und Palliativarbeit beeinflussen und befruchten sich gegenseitig. Kunst findet Eingang in die praktische Hospizarbeit (etwa durch Clownsvisiten im Hospiz oder durch Filmreihen wie „Filme vom Abschied“). Und die Hospizidee wiederum inspiriert Künstler wie Stefan Weiller, der mit seinen „letzten Liedern und Geschichten aus dem Hospiz“ ein Projekt zwischen Dokumentation, Kunst, Theater und Musik geschaffen hat. Im Ergebnis trägt die Allianz von Kunst und Hospiz, die mit den vorliegenden Beiträgen nur angerissen werden kann, ganz im Sinne der Hospizidee zu einer immer besseren Sichtbarkeit von Krankheit, Sterben, Tod und Trauer als – durchaus produktive – Aspekte des Lebens bei.

Herzlich, Ihre Angela Hörschelmann