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Die Hospiz-Zeitschrift 60

Hospiz und Dementia Care

Die hospiz zeitschrift
Ausgabe 60
2014/2

Hospiz und Dementia Care – längst sind Menschen mit dementiellen Erkrankungen im Hospiz und der palliativen Versorgung angekommen und sie brauchen unsere Hilfe. Doch stellen uns Menschen mit Demenzerkrankungen vor neue und neuartige Herausforderungen, denken wir nur an die veränderten Formen der Kommunikation.

Aus aktuellem Anlass haben wir in dieser Ausgabe Menschen zu Worte kommen lassen, die einen wichtigen Beitrag zum Thema Hospiz und Dementia Care leisten. Wir wünschen Ihnen eine gute und entspannte Lesezeit.

Inhalt

hospiz wissen

Lebensende, Sterben und Tod demenziell erkrankter Menschen in Wohngemeinschaften
Elisabeth Reitinger, Sabine Pleschberger

„Jetzt ist alles perfekt.“ Ein Besuch im Demenzdorf De Hogeweyk
Elisabeth Wappelshammer, Petra Fercher, Cornelia Schneider, Alexandra Trafoier

Zehn Punkte für einen anderen Umgang mit Demenz im Krankenhaus
Katharina Gröning
 
Zehn Thesen zur aktuellen Diskussion um den assistierten Suizid
Thomas Klie

Ambulante ehrenamtliche Hospizbegleitung für Menschen mit Demenz
Nadine Kuklau

hospiz praxis

Einsatz komplementärer Pflegemaßnahmen auf der Palliativstation einer Universitätsklinik
Maria Mascia, Gesine Picksak

„Supervision – eine wichtige Unterstützung für Professionelle und Ehrenamtliche in Palliative Care, Hospizarbeit und Sterbebegleitung
Birgitte Becker

Vorsorge durch Patientenverfügung & Co.? Bedarf und Herausforderungen
Sabine Petri
 
Palliative Care für Menschen mit geistiger Behinderung: Das Überbringen schlechter Nachrichten
Evelyn Franke

hospiz forum

Spiritualität in der hospizlichen Praxis
 Andreas Walker, Valerie Grimm, Kristin Illiger

Engel, Trübsal-Sucher oder ZivilwertträgerInnen? Internationales Ehrenamt in Hospiz und Palliative Care Teil 2
Ruthmarijke Smeding

hospiz komment

Kinder wollen leben – bis zuletzt. Anmerkungen zur Debatte um das Recht auf Sterbehilfe auch für Kinder
Wolfgang Beer, Edith Droste

 

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„Der Kontakt mit Demenz und anderen Formen schwerer kognitiver Beeinträchtigung kann und sollte (!) uns aus unseren üblichen Mustern der übertriebenen Geschäftigkeit, des Hyperkognitivismus und der Geschwätzigkeit herausführen in eine Seinsweise, in der Emotion und Gefühl viel mehr Raum gegeben wird. Demente Menschen, für die das Leben der Emotionen oft intensiv und ohne die üblichen Hemmungen verläuft, haben den Rest der Menschheit unter Umständen etwas Wichtiges zu lehren.“ (Tom Kitwood in „Dementia revisited“ 1997).

Das schreibt Tom Kitwood, der Begründer des Person-zentrierten Ansatzes für Menschen mit Demenz vor etwa 20 Jahren. Kitwoods Aussage hat nichts an Aktualität verloren – Menschen mit Demenz haben den Rest der Gesellschaft etwas Wichtiges zu lehren und sie können uns helfen aus unserer „Geschwätzigkeit“ herauszufinden. Demenz ist eine Krankheit des „Aus der Welt Gehens“, schreibt Katharina Gröning in dieser Ausgabe der hospizzeitschrift in dem sie Jean Amery zitiert. Menschen mit Demenz sind in hohem Maße „Care-bedürftig“. Um mit den zunehmenden Verlusten, die die Demenz mit sich bringt, umgehen zu können, brauchen von Demenz Betroffene und ihre Angehörigen Palliative Care. Und zwar nicht erst in der unmittelbaren Sterbebegleitung sondern von Anfang an, ganz im Sinne von „Lebensbegleitung bis zuletzt“.

Deshalb widmen wir diese Ausgabe den Menschen, die von Demenz betroffenen sind. Wir schauen dort genauer hin, wo Menschen mit Demenz bis zuletzt leben und sterben: in die betreuten Wohngemeinschaften, in die „neue Mode“ der Demenzdörfer und in die Krankenhäuser, die einen Versorgungsauftrag für Menschen mit Demenz haben. Menschen mit Demenz sind radikal auf Unterstützung verwiesen. Aber: „Anderen zur Last zu fallen… das wollen wir nicht.“, so der Autor. Ein Plädoyer für eine neue „Sorgefähigkeit“ der Gesellschaft, gegen eine Legalisierung des „unverantwortlich“ assistierten Suizids. Darüber hinaus setzt sich dieses Heft auch – wie gewohnt – mit anderen wichtigen Kernaufgaben der Hospizbewegung auseinander, mit dem Ehrenamt, mit dem Facettenreichtum von Spiritualität in der Hospizarbeit und mit konkreten Berichten aus der Praxis. Dass der würdevolle Umgang mit Menschen mit Demenz Kernaufgabe der Hospizbewegung ist– das will diese Ausgabe der hospiz zeitschrift deutlich machen.

Wir wünschen Ihnen eine produktive und – im Sinne Tom Kitwoods – eine möglichst wenig „geschwätzige“ Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Anliegen.

Herzlich Ihre Katharina Heimerl und Karin Caro