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Laudatio zu Ehren von Bettina Tietjen

von Erich Lange, stellvertretender Vorsitzender des DHPV

Es ist von besonderer Bedeutung, dass die Hospiz- und Palliativarbeit in der vielfältigen Medienlandschaft und in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam macht. Geehrt werden in der Kategorie „Medien“ deshalb Persönlichkeiten, die durch ihren Einsatz für die Hospiz- und Palliativarbeit zu einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft im Umgang mit Sterben und Tod beitragen.

In diesem Jahr geht der Ehrenpreis Medien an die Moderatorin Bettina Tietjen. Wir möchten damit zum einen das Engagement Frau Tietjens für die Hospizarbeit ehren, vor allem Ihren Einsatz für das Hospiz für Hamburgs Süden. Gegen die Eröffnung hatten Anwohner Bedenken vorgetragen, ein Ehepaar klagte gegen die Einrichtung eines Hospizes in der Nachbarschaft – es ging offiziell um unzumutbare Beeinträchtigungen durch die Größe des Grundstücks und zusätzlichen Verkehr, es ging um eine mögliche Wertminderung der Immobilien – es ging also um Dinge und Materielles – aber es ging ausdrücklich auch um die unerwünschte Konfrontation mit dem Tod.

Ein wichtiges Anliegen der Hospizarbeit ist es, gerade der Verdrängung von Sterben und Tod aus dem Leben zu begegnen. Sterben ist Teil des Lebens, und Hospizarbeit setzt sich für ein würdiges Leben bis zuletzt ein. Durch die Übernahme der Schirmherrschaft hat Bettina Tietjen hier ein klares Signal gesetzt. Und wie wir von den Kolleginnen aus dem Hospiz in Hamburgs Süden wissen, füllt Frau Tietjen diese Schirmherrschaft mit Leben und Engagement: Sie bereichert Veranstaltungen und Freundeskreistreffen des Hospizes mit Ihrer Anwesenheit, sie tritt, wenn das gewünscht wird, auch zu den Gästen des Hospizes in Kontakt und nimmt sich Zeit für Gespräche. Und wenn sie Benefizveranstaltungen moderiert, kommt der Erlös dem Hospiz im bodenständigen Harburg und eben nicht einem Haus im schillernden Blankenese zugute.

Ein weiteres großes Thema, dass auch die Hospizarbeit intensiv beschäftigt, ist der Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Wir alle wissen, dass in der Zunahme von Demenzerkrankungen eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft liegt, der sich auch die Hospiz- und Palliativversorgung dringend stellen muss und in zunehmendem Maße stellt. Neben der stärkeren Berücksichtigung der Bedürfnisse von dementiell erkrankten Menschen auch an ihrem Lebensende geht es aber außerdem darum zu zeigen, dass Demenz nicht die Katastrophe ist, als die sie in den Medien bis heute häufig dargestellt wird, sondern dass an Demenz erkrankte Menschen dem Rest der Menschheit unter Umständen etwas Wichtiges zu lehren haben. Zu dieser Überzeugung ist auch Frau Tietjen bei der Begleitung ihres an Demenz erkrankten Vaters gelangt. In Ihrem Buch „Unter Tränen gelacht“ lässt sie ihre Leserschaft nicht nur an den traurigen und verunsichernden Seiten der Demenz teilhaben, sondern sie zeigt, dass Demenz auch die Möglichkeit birgt, einen Menschen neu kennenzulernen, sich neu auf ihn einzulassen und von ihm zu lernen.

Für diesen Beitrag zum Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft und für Ihren Einsatz für das Hospiz für den Hamburger Süden zeichnen wir Sie, liebe Frau Tietjen, heute mit dem Ehrenpreis aus, und wünschen weiter viel Kraft für Ihre Arbeit – als Moderatorin, als Botschafterin der Hospizidee und als Vorreiterin einer neuen Sicht auf Menschen mit Demenz.

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