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Laudatio zu Ehren von Dr. Petra Anwar

von Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Vorstandsmitglied des DHPV

Es ist von besonderer Bedeutung, dass die Hospiz- und Palliativarbeit in der vielfältigen Medienlandschaft und in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam macht. Geehrt werden in dieser Kategorie deshalb Persönlichkeiten, die durch ihren Einsatz für die Hospiz- und Palliativarbeit zu einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft im Umgang mit Sterben und Tod beitragen. Ich freue mich deshalb sehr, diesen Preis an Frau Dr. Petra Anwar überreichen zu dürfen. Petra Anwar ist Palliativmedizinerin und betreut als Home-Care-Ärztin in den Berliner Bezirken Neukölln und Tempelhof schwerstkranke und sterbende Patienten in ihrer letzten Lebensphase zu Hause und im Ricam-Hospiz.

In dem sehr bekannt gewordenen Film „Halt auf freier Strecke“ des Regisseurs Andreas Dresen spielt sie eine Home-Care-Ärztin – und somit sich selber. Das Drama um einen Berliner Familienvater, der langsam an einem Hirntumor verstirbt, wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Preis der deutschen Filmkritik und dem Deutschen Filmpreis. Dresens Filme sind dem Leben sehr nah, von der Kritik werden sie gerne auch semi-dokumentarisch genannt. Dies ist auch bei diesem berührenden, aber nie kitschigen Film über ein eigentlich ganz alltägliches Thema so. Denn Sterben und Tod gehören zum Leben, sind also ganz alltägliche Themen, die in unserer Gesellschaft aber nach wie vor verdrängt werden. Es ist der Verdienst solcher Menschen wie Petra Anwar, die es zusätzlich zur Beanspruchung durch ihren Beruf nicht scheut, die Öffentlichkeit für diese Themen zu sensibilisieren und zu gewinnen.

Petra Anwar hat ihre Erfahrungen auch im Buch „Geschichten vom Sterben“ aufgeschrieben. Zusammen mit dem Schriftsteller John von Düffel erzählt sie hier von Schicksalen und Möglichkeiten in der letzten Phase des Lebens. Über die Lesungen aus diesem Buch hat sie wieder viele Menschen erreicht, ebenso durch die Interviews, in denen sie über ihre Arbeit spricht.

Mit ihrer alltäglichen Arbeit ermöglicht es Petra Anwar, dass die Menschen zu Hause sterben können, im eigenen Bett, in vertrauter Umgebung, bei den Menschen, mit denen sie sich verbunden fühlen. Mit ihrer Medienpräsenz sorgt sie dafür, dass die Möglichkeiten der hospizlichen und palliativen Versorgung einer immer größeren Öffentlichkeit bekannt werden.
Für diesen Beitrag zum Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft zeichnen wir Sie, liebe Frau Anwar, heute mit dem Ehrenpreis aus, und wünschen weiter viel Kraft für Ihre Arbeit – mit Ihren Patientinnen und Patienten, und für die Öffentlichkeit.

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