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Interview mit Monika Lutz

Anlässlich des diesjährigen Welthospiztages hat Monika Lutz, 1. Vorsitzende des Hospiz Vereins Triers, am 8.10.2010 für ihr herausragendes Engagement in der Hospiz- und Palliativarbeit den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes (DHPV) in der Kategorie ‚ehrenamtliches Engagement’ verliehen bekommen. Monika Lutz engagiert sich ehrenamtlich seit fast 20 Jahren für die Hospiz- und Palliativarbeit in Trier und der umliegenden Region. Sie hat u.a. Anfang der 90er Jahre den ersten Runden Tisch zur Hospizarbeit in Trier initiiert und moderiert und damit eine bis heute andauernde, aktive Netzwerkarbeit in der regionalen Hospiz- und Palliativarbeit etabliert. Die Laudatio ist auf der Internetseite des DHPV nachzulesen.

DHPV: Sehr geehrte Frau Lutz, Sie haben den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes in der Kategorie ‚ehrenamtliches Engagement’ erhalten. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Monika Lutz: Diese Ehrung bedeutet mir sehr viel. Ich sehe mich dabei als nur eine der vielen tausend ehrenamtlich Tätigen in der gesamten Hospizbewegung, für die ich heute stellvertretend hier stehe.

DHPV: Sie sind schon seit 20 Jahren in der Hospiz- und Palliativarbeit tätig. Wie schätzen Sie die Entwicklung in der Hospiz- und Palliativarbeit ein?

Monika Lutz: Ich beobachte durchaus eine Veränderung in der hospizlichen und palliativen Landschaft. Verändert haben sich Ziele, Arbeitsschwerpunkte und auch Haltungen. Nehmen Sie nur die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. SAPV ist vor allem eine professionelle Entwicklung. Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt treten in den Hintergrund. Dabei sage ich nicht, dass eine weitere Professionalisierung nicht auch notwendig ist. Aber auch die Bürgerbewegung Hospiz sollte sich weiterentwickeln und kritisches Denken und das Hinterfragen von Entwicklungen immer wieder anstreben. Wir benötigen eine Kommunikationskultur innerhalb der Disziplinen und dem Ehrenamt, die auch eine respektvolle Streitkultur etabliert.

DHPV: Die Hospizarbeit wird vor allem von älteren, gut ausgebildeten Frauen getragen. Was kann man Ihrer Erfahrung nach machen, um auch jüngere Menschen für die Hospizarbeit zu gewinnen?

Monika Lutz: Meine Erfahrung ist, dass junge Menschen von ganz alleine kommen. In unserem stationären Hospiz hospitieren junge Menschen, Schulgruppen suchen den Kontakt. So kommt beispielsweise eine Gruppe junger auszubildender Gärtner zwei Mal im Jahr und gestaltet den Garten vor und hinter der Einrichtung. All diese jungen Menschen stellen sich nach anfänglichem Zögern den Themen Tod und Sterben und sie packen mit an. Häufig tun sie dies direkter und unbefangener als ältere Menschen.

DHPV: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Hospiz- und Palliativarbeit ein?

Monika Lutz: Mich beschäftigt momentan die Frage, wie viel Helferinnen und Helfer ein Mensch eigentlich erträgt. Ich hatte eine sehr einprägsame Erfahrung hierzu. Ich besuchte eine schwerstkranke junge Frau. Bei meinem Besuch drückte sie mir eine CD in die Hand und sagte mir, dass ich diese zunächst abhören solle, ehe ich wiederkomme. Auf der CD erzählte sie ihre eigene Krankheitsgeschichte. Sie hatte im Laufe ihrer Erkrankung so viel Kontakt mit unterschiedlichen Menschen, denen sie bereits ihre Geschichte erzählt hatte, dass sie nicht mehr die Kraft hatte, ihre Leidensgeschichte immer wieder aufs Neue zu erzählen. Da habe ich zutiefst verstanden, dass das Helfen den Menschen auch zu viel werden kann. Und nun stellt sich mir vor allem die Frage, wo wir uns als Helfende hinterfragen sollten. Diese schwerstkranke Frau sagte mir auch in einem Gespräch  „Glauben Sie mir, meinen Lebensschmerz bekommen Sie mit Morphin nicht in den Griff“.

DHPV: Frau Lutz, was wünschen Sie sich für die Zukunft der Hospiz- und Palliativarbeit?

Monika Lutz: Ich wünsche mir, dass die Hospizarbeit sich zunehmend dem Sterben und der Isolierung älterer Menschen annimmt. Insbesondere der alten Menschen, die keine Familienangehörigen mehr haben. Und ich wünsche mir ebenfalls, dass Hospizarbeit und Palliative Care sich noch mehr der Sorgen und Nöte der professionell Helfenden annimmt, die tagtäglich den schwerstkranken Menschen unterstützend zur Seite stehen und deren Leiden zu lindern versuchen, da Stress, Kostendruck und Bürokratisierung in den Einrichtungen ständig zunehmen. Ich wünsche mir ebenfalls, dass wir in der Arbeit die Angehörigen neben den Sterbenden noch mehr in den Mittelpunkt stellen und sie nicht nur unterstützen sondern auch befähigen, Ängste und Hilflosigkeit so weit als möglich zu überwinden, denn wir Helfenden sollten immer in der zweiten Reihe hinter den Angehörigen stehen.

DHPV: Sehr geehrte Frau Lutz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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