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Interview mit Dr. Klaus Müller

Anlässlich des diesjährigen Welthospiztages hat Dr. Klaus Müller, Dipl. Gesundheitswissenschaftler, am 8.10.2010 für seine wissenschaftliche Leistung in der Hospiz- und Palliativarbeit den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes (DHPV) in der Kategorie ‚Wissenschaft’ verliehen bekommen. In seiner Arbeit mit dem Titel „Ich habe das Recht darauf, so zu sterben wie ich gelebt habe! Entstehung und Weiterentwicklung der Versorgungsinitiativen für an AIDS erkrankte und sterbende Menschen in Deutschland" hat er die Entwicklungsgeschichte der Versorgung an Aids erkrankter und sterbender Menschen in Deutschland systematisch in den Blick genommen und dadurch die Hospizgeschichte durch ein noch unbehandeltes Themenfeld neu beleuchtet. Dr. Klaus Müller arbeitet zurzeit u.a. als Berater, Coach und Trainer im Bereich Ausbildung und Lernen. Die Laudatio ist auf der Internetseite des DHPV nachzulesen.

DHPV: Sehr geehrter Herr Dr. Müller, Sie haben den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes in der Kategorie ‚Wissenschaft’ erhalten. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Dr. Klaus Müller: Ich freue mich besonders über diese Auszeichnung, weil damit das Themenfeld HIV/AIDS erneut Aufmerksamkeit erhält und einzigartige Aspekte diesbezüglicher Versorgungsinitiativen für die allgemeine Hospizbewegung nutzbar werden.

DHPV: Können Sie ganz kurz beschreiben, worum es in Ihrer Arbeit geht?

Dr. Klaus Müller: Für meine Arbeit habe ich Pioniere und Wegbereiter von Versorgungsinitiativen für an AIDS erkrankte und sterbende Menschen interviewt. Die Auswertung dieser Interviews hat gezeigt, dass der Hospizbegriff in der Versorgung von Menschen mit AIDS gar keine bzw. erst sehr spät Verwendung gefunden hat. Dies ist interessant, umfasste die konkrete Versorgung doch sehr viele Elemente, die auch Gegenstand einer hospizlichen Betreuung waren und sind. Weiterhin fällt auf, dass die Versorgungsinitiativen für Menschen mit AIDS stark die Gestaltung des verbleibenden Lebens und nicht die des Sterbens fokussiert haben. Damit stand die Selbstverwirklichung und Befriedigung vor allem auch sexueller Bedürfnisse sehr viel stärker im Vordergrund als wir es von den meisten Hospizinitiativen kennen.

DHPV: Mit Ihrer Arbeit nehmen Sie eine bestimmte Gruppe in den Blick –an Aids erkrankte und sterbende Menschen. Was macht diese Gruppe so besonders mit Blick auf die Hospizarbeit?

Dr. Klaus Müller: Der Blick in die 80er und 90er Jahre zeigt, dass das Sterben an AIDS eine große politische Bewegung ausgelöst hat. Die Missstände bei der Versorgung von an AIDS erkrankten Menschen – das waren ja im Bewusstsein der Öffentlichkeit vor allem schwule Männer – habe eine große Selbsthilfebewegung entstehen lassen, die für Ressourcen und Versorgungsleistungen regelrecht gekämpft haben. Es ging darum, Aufmerksamkeit für die Missstände zu wecken und Entscheidungsträger zu Zugeständnissen zu zwingen. Da konnte es unter Umständen sehr laut und provokativ zugehen. Dieser kämpferische Aspekt ist für die Hospizarbeit ja eher ungewöhnlich und könnte vielleicht einen Impuls für die weitere Arbeit geben.

DHPV: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Hospiz- und Palliativarbeit ein?

Dr. Klaus Müller: Durch das massive Sterben vor allem junger Menschen an AIDS ab Mitte der 80er Jahre ist der Tod in das Bewusstsein der deutschen Gesellschaft zurückgekehrt. Dadurch konnten Konzepte von Hospiz- und Palliativarbeit verstärkt entwickelt und umgesetzt werden. Auch die finanzielle Absicherung der Arbeit konnte – wenn auch streckenweise mühsam – erreicht werden. Mit der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen ist nun ein weiterer Meilenstein gesetzt worden. Insgesamt können wir in Bezug auf die Hospiz- und Palliativarbeit von einer Erfolgsgeschichte zum Wohle der Betroffenen sprechen.

DHPV: Herr Dr. Müller, was wünschen Sie sich für die Zukunft der Hospiz- und Palliativarbeit?

Dr. Klaus Müller: Ich wünsche mir für die weitere Arbeit, dass alle Beteiligten weiterhin kritisch bleiben und das Erreichte auch immer wieder dahingehend hinterfragen, inwieweit wir im Interesse und zum Wohle der sterbenden Menschen und deren Angehörigen arbeiten. Deren Interessen und Bedürfnisse sollten uns vorrangig leiten.

DHPV: Sehr geehrter Herr Dr. Müller, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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