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Interview mit Alois Glück

Anlässlich des diesjährigen Welthospiztages hat der ehemalige bayerische Landtagspräsident und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, am 8.10.2010 für seine besonderen Verdienste in der Hospiz- und Palliativarbeit den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes in der Kategorie ‚Struktur und Rahmenbedingungen’ verliehen bekommen. Alois Glück ist Initiator und seit der Gründung 2005 1. Vorsitzender des Hospiz-Netzwerks Traunstein. Im Rahmen dieser Tätigkeit, aber auch im Rahmen seiner langjährigen politischen Funktionen im Freistaat Bayern hat sich Herr Alois Glück für den Ausbau eines flächendeckenden Angebots haupt- und ehrenamtlicher Hospiz- und Palliativarbeit in Bayern in besonderer Weise engagiert. Die Laudatio ist auf der Internetseite des DHPV nachzulesen.

DHPV: Sehr geehrter Herr Glück, Sie haben den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes in der Kategorie ‚Struktur und Rahmenbedingungen’ erhalten. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Alois Glück: Ich freue mich über diese Auszeichnung, sie ist mir auch eine zusätzliche Motivation. Besonders wichtig ist mir gegenwärtig der Aufbau von Versorgungsnetzen in Bayern für den häuslichen Bereich.

DHPV: Es gibt sehr viele soziale Bereiche in Deutschland, in denen man sich engagieren kann? Weshalb setzen Sie sich gerade für die Verbesserung der Betreuung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen ein?

Alois Glück: Vor mehreren Jahren hatte ich eine einschneidende Erfahrung mit einer Nachbarin von mir, die im Sterben lag. Als es dem Ende zuging und der Tod bevor stand, merkte ich, wie auch die hilflos waren, die helfen wollten. Selbst der Hausarzt wollte diese Frau am liebsten in die Klinik einweisen. Er wusste nicht, wie er ihr ein Sterben zu Hause ermöglichen konnte. Das war für mich der emotionale Anstoß, mich in der Hospiz- und Palliativarbeit zu engagieren. Immer noch müssen sterbende und schwerstkranke Menschen häufig weit mehr leiden als nach heutigem Stand in der hospizlichen und palliativen Versorgung notwendig wäre. Das müssen wir ändern.

DHPV: Worin sehen Sie Ihren eigenen Beitrag zur Hospiz- und Palliativarbeit?

Alois Glück: Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen in der Politik habe ich spezielle Möglichkeiten zu helfen, Strukturen zu schaffen und Türen zu öffnen. Diese besondere Chance, sich zu engagieren, möchte ich nutzen, um die Bedingungen für ein würdevolles Sterben zu verbessern und auszubauen. Ich sehe mich in der Rolle des Förderers. Wenn in der Region bekannte Personen die Hospiz- und Palliativarbeit mittragen, dann geht es grundsätzlich einfacher.

DHPV: Sie sind seit der Gründung des Hospiz-Netzwerks Traunstein der 1. Vorsitzende. Was hat sich seit der Arbeit des Netzwerkes in der Region vor Ort verändert?

Alois Glück: In unserem Netzwerk arbeiten Brückenschwestern. Das sind Pflegekräfte, die palliativmedizinisch und schmerztherapeutisch fortgebildet sind und langjährige Erfahrungen in diesem Bereich nachweisen können. Sie arbeiten als Bindeglied zwischen Angehörigen, dem Hausarzt, dem Krankenhaus, den Pflegediensten und Sanitätshäusern. Zu Beginn ihrer Tätigkeiten stellten wir insbesondere bei den Hausärzten eine sehr große Zurückhaltung in der Zusammenarbeit fest. Inzwischen spricht sich aber immer mehr in der Region herum, wie gut die Zusammenarbeit funktioniert. Die Hausärzte verlieren langsam ihre Ängste, dass ihnen die Patienten weggenommen werden. Heute sitzen viele Ärzte gemeinsam mit den Brückenschwestern in Qualitätszirkeln, um nach Lösungen für ein würdevolles Sterben vor Ort zu suchen und diese umzusetzen.

DHPV: Herr Glück, was wünschen Sie sich für die Hospiz- und Palliativarbeit in der Zukunft?

Alois Glück: Von zentraler Bedeutung ist die Pflege sozialer Netzwerke und sozialer Kontakte, um die Hospizarbeit auch in Zukunft zu stärken. Dazu gehört auch, dass die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen über die Spezialisten zu einer Gemeinschaftsaufgabe werden muss. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass die Angebote in der Hospiz- und Palliativarbeit in fünf Jahren in ganz Deutschland, d.h. flächendeckend, zur Verfügung stehen. Schließlich müssen die Anliegen der Hospiz- und Palliativarbeit einen weit höheren Stellenwert als bisher in der Politik haben. Die Sicherung einer würdevollen Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen muss in der aktuellen Politik hohe Priorität haben.

DHPV: Sehr geehrter Herr Glück, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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