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Laudatio zu Ehren von Dr. Klaus Müller

Einleitung: Dr. Birgit Weihrauch

Erstmals in diesem Jahr verleiht der DHPV – in enger Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat des DHPV – auch den Ehrenpreis Wissenschaft. Wir wollen mit diesem Ehrenpreis deutlich machen, dass auch die Forschungsansätze in der Hospiz-und Palliativarbeit besonderer Anstrengungen und einer interdisziplinären Herangehensweise bedürfen. Sie sind essenziell, damit auch schwerstkranke und sterbende Menschen mehr als bisher von neuen Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung profitieren können.

Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Schneider als Vertreter des wissenschaftlichen Beirats, heute Sie, Herr Dr. Müller, für Ihre wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der an Aids erkrankten und sterbenden Menschen mit dem DHPV-Ehrenpreis auszeichnen zu dürfen.

Für die Laudatio übergebe ich an Herrn Prof. Dr. Schneider.

Laudatio: Dr. Klaus Müller
von Prof. Dr. Werner Schneider

Menschen erinnern sich an Vergangenes, erzählen Geschichten dazu, feiern Gedenktage oder Jubiläen. Institutionen hingegen verfügen über kein sich erinnerndes Bewusstsein, tradieren aber dennoch Vergangenes, so dass es in ihnen fortgeführt und im Hier und Jetzt wirksam wird.

Genau dazu entfaltet die von Klaus Müller mit dem Ehrenpreis Wissenschaft des DHPV ausgezeichnete Analyse ihre originelle und innovative Wirkkraft. Sie trägt den Titel: "Ich habe das Recht darauf, so zu sterben wie ich gelebt habe! Entstehung und Weiterentwicklung der Versorgungsinitiativen für an AIDS erkrankte und sterbende Menschen in Deutschland".

Klaus Müller dokumentiert darin anhand von Zeitzeugen-Aussagen, anhand der Erinnerungen von damaligen Aktivisten der AIDS-Initiativen eine wichtige Phase jenes erfolgreichen Institutionalisierungsprozesses der Hospizbewegung, der sich seit den 1980er vollzogen hat.

Vor dem Hintergrund der damaligen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen AIDS sowie durch die praktische Unvorbereitheit des Gesundheitssystems auf das hereinbrechende, unweigerliche Sterben von unheilbar erkrankten, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzten Menschen entstanden gleichsam 'an der Basis' Betreuungsinitiativen, die in und durch die Anerkennung homosexueller Lebensstile in der Krankheit und auch im Sterben gekennzeichnet waren. Damit waren diese Initiativen nicht nur für eine Normalisierung homosexuellen Lebens von Bedeutung, sondern fungierten auch als Scharnier und Katalysator für das Etablieren einer gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber Sterbenden im Sinne ihrer umfassenden Betreuung. Für die Hospizbewegung erscheint es wichtig, sich solcher Wurzeln zu vergewissern, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, um das Profil im Hier und Jetzt sowie für zukünftige Herausforderungen weiter zu entwickeln, zu schärfen – gerade auch im Blick auf gesellschaftliche Ausgrenzung oder Anerkennung von unterschiedlichen Lebensstilen und damit einhergehenden Sterbensformen.

Auch wenn der Ehrenpreis Wissenschaft für das Geschriebene verliehen wird, gestatten Sie mir, zur Person des Schreibers noch anzumerken, dass er, ausgebildet als Krankenpfleger, in seiner beruflichen Laufbahn vielfältige praktische Erfahrung im Bereich der Hospiz- und Palliativarbeit erworben hat. Hinzu kommt eine wissenschaftliche Karriere als forschender und lehrender, im Themenfeld Pflege zum Dr. phil. promovierter Gesundheitswissenschaftler, der heute als Berater, Coach und Trainer im Bereich Ausbildung und Lernen und als Leiter eines Forschungsprojekts zu Verbesserung der Wertschätzung für Pflegekräfte an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld-Bethel tätig ist. So vereint Klaus Müller in seiner Person Theorie und Praxis, Forschung und Lehre im Bereich der Pflege, der Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden auf umfassende Weise.

Ich gratuliere dem Preisträger herzlich zu seiner Forschungsleistung und hoffe, dass wir mit dem Ehrenpreis 'Wissenschaft' einen dauerhaften Beitrag leisten zur Institutionalisierung einer multidisziplinären, Theorie, Empirie und Praxis verbindenden Forschung zur Hospizarbeit hier in Deutschland.

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