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Ethik und Ehrenamt - Europäische Perspektiven der zukünftigen Hospiz- und Palliativarbeit

13.10.2017 - 18:00

Tagung Hospiz. Europa. Zukunft.

Am 13. Oktober 2017 hat der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband die internationalen Fachtagung „Hospiz. Europa. Zukunft.“ veranstaltet. Gemeinsam mit 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gingen Referentinnen und Referenten aus sechs Ländern der Frage nach, wie Hospizidee und Palliativarbeit es seit ihren Anfängen geschafft haben  und auch in Zukunft schaffen können, Menschen zu begeistern und die Gesellschaft zu verändern.

Europaweite Vernetzung sowie die zukunftsfähige Weiterentwicklung der ehrenamtlichen Aspekte der Hospiz- und Palliativarbeit – so lauten die zwei Kernforderungen, auf die sich die Referentinnen und Referenten aus der Schweiz, England, Österreich, Polen, den Niederlanden und Deutschland einigten.

„Hospiz- und Palliativarbeit in Europa ist sehr unterschiedlich ausgeprägt“, so Prof. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV. „Und doch sind wir alle mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert, der demografischen Entwicklung mit Überalterung und Vereinzelung einerseits und dem sich wandelnden Ehrenamt andererseits.“

Shaun O’Leary, Geschäftsführer des St Christopher’s Hospiz in London, Wirkungsstätte von Cicely Saunders und Wiege der modernen Hospizarbeit hielt fest, dass man Ehrenamtliche zum einen flexibler einbinden muss. So werden am St Christophers bereits 16-Jährige für die Hospizarbeit gewonnen. Zum anderen muss – unter dem Stichwort der sorgenden Gemeinschaft – eine sehr viel breitere Basis der Bevölkerung befähigt werden, sich um schwerstkranke und sterbende Mitmenschen zu kümmern.

Das Ehrenamt selber müsse gestärkt werden, wie Leena Pelttari vom Dachverband Hospiz Österreich und Co-Leiterin der EAPC (European Association for Palliative Care) Task Force on Volunteering mit der europäische Ehrenamts-Charta für den Hospiz- und Palliativbereich darlegte. „Zudem brauchen wir grundlegende Forschung zum Ehrenamt in der Hospizarbeit“, so Prof. Werner Schneider von der Universität Augsburg und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des DHPV, der gemeinsam mit Prof. Thomas Klie das vom DHPV unterstützte Forschungsprojekt „Ehrenamtlichkeit und bürgerschaftliches Engagement in der Hospizarbeit – Merkmale, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven“ vorstellte.

Neben dem Ehrenamt wurden in Berlin ethische Fragen diskutiert. Prof. Steffen Eychmüller aus Bern beleuchtete das Lebensende in der Schweiz zwischen dort bereits etablierten sorgenden Gemeinschaften und der Praxis der Suizidbeihilfe. Gerbert van Loenen, Journalist und Kritiker der niederländischen Sterbehilfegesetzgebung, zeichnete die Entwicklung im Nachbarland nach. „Nach 30 Jahren Sterbehilfe diskutieren wir nicht mehr nur Sterbehilfe für lebensverkürzend erkrankte Menschen mit schweren Symptomen. Mittlerweile gibt es Sterbehilfe auch für psychisch kranke Menschen, Menschen mit Demenz, behinderte Neugeborene und – wenn sich die neueste Initiative durchsetzt – auch für lebensmüde Senioren, ohne dass irgendwelche Krankheiten zugrunde liegen.“ Van Loenen warnte vor diesem Hintergrund ganz klar vor einer schiefen Ebene.

„Die Entwicklung in den Niederlanden ist – so skandalös sie sich auch darstellt – ein mögliches Szenario, wenn man einen Blick in die Zukunft der europäischen Gesellschaften wirft“, so Prof. Winfried Hardinghaus. „Es kommt darauf an, in den Bemühungen um eine solidarische Gesellschaft nicht nachzulassen. Und dazu brauchen wir auch den internationalen Austausch, wie der DHPV ihn mit dieser Tagung ein gutes Stück vorangetrieben hat.“

Ein ganz besonderes Projekt stellen Dr. Helena Wisła und Krzysztof Wisła vom Denkmal-Hospiz der Stadt Oświęcim (Auschwitz), Polen vor. Das Denkmal-Hospiz Oświęcim  geht auf eine Initiative des Auschwitz-Häftlings August Kowalczyk zurück, dem mit Hilfe der Einwohner von Oświęcim  die Flucht aus dem Vernichtungslager gelang. Mit seiner Initiative zur Hospizgründung dankt er der Stadt und ihren Einwohnern für diese Hilfe. Dr. Anja Schneider, stellvertretende Vorsitzende des DHPV, die moderierend durch die Veranstaltung führte, nannte das Denkmal-Hospiz ein Symbol der Vergebung und der Aussöhnung.

Hintergrund
Diese Tagung „Hospiz. Europa. Zukunft. Wie Hospizidee und Palliativarbeit die Menschen bewegen und Gesellschaft verändern.“ fand vor dem Hintergrund des Welthospiztages und des Deutschen Hospiztages statt, der am 14. Oktober 2017 stattfand. Zudem war die Tagung der inhaltlichen Schlusspunkt des DHPV-Jubiläums zum 25-jährigen Bestehen des Verbandes, das im Februar unter Schirmherrschaft von Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert in Berlin eröffnet wurde.

Bild v.l.n.r.: (ohne Leena Pelttari und Prof. Steffen Eychmüller, die schon zu anderen Verpflichtungen weiter mussten) Prof. Werner Schneider, Krzysztof Wisła, Prof. Thomas Klie, Dr. Helena Wisła, Gerbert van Loenen, Benno Bolze, Shaun O'Leary, Dr. Anja Schneider, Prof. Winfried Hardinghaus (c) DHPV

Weitere Fotos und Präsentationen werden in Kürze hier zur Verfügung gestellt.



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