Aktuelles > News > Detail

Erneut Widerspruch zum ärztlich assistierten Suizid

29.04.2011 - 12:00

In der jüngsten Diskussion um den ärztlich assisisterten Suizid hat Professor Dr. U.R. Kleeberg, Vorsitzender der Hamburger Krebsgesellschaft e.V., im Namen der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) der DKG e.V., einen offenen Brief an Professor Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetag verfasst, in dem er sich entschieden gegen die Neuformulierung der „Grundsätze zur ärzt­lichen Sterbe­begleitung“ ausspricht, die nun lautet: “Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe.“ Kleeberg verweist unter anderem auf die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland" (Link), die neben dem DHPV und der Deutschen Gesellschaft von der Bundesärztekammer mitinitiiert und getragen wurde. Die Neuformulierung der Grundsätze wiederspräche entschieden der verabschiedeten Charta. Kleeberg fordert umgehend eine Revision der Neuformulierung des Textes in den Grundsätzen.
Unterdessen verteidigte Hoppe in einem gemeinsamen mit dem Göttinger Medizinrechtler Volker Lipp und dem Göttinger Medizinethiker Alfred Simon verfassten Beitrag für die Frankfurter Allemeine Zeitung am 28. April die Neuformulierung. Laut diesem Beitrag habe sich die Haltung der Bundesärztekammer zur Suizidbeihilfe nicht geändert. Diese sei weiterhin keine ärztliche Aufgabe. Hingegen sei der moralische Vorwurf aus dem Text gestrichen worden.  Auch wurde im Beitrag der Vorwurf zurückgewiesen, dass einem Arzt nun erlaubt sei, als Privatperson am Suizid mitwirken zu können. Diese Einschätzung der Kritiker beruhe auf einem grundlegenden Missverständnis, da der Arzt zum einen sich nicht in seine Berufsrolle als Arzt und als Privatperson aufspalten könne. Zum anderen würden die Berufspflichten eines Arztes durch Gesetz und Berufsordnung festgelegt, die Grundsätze hingegen seien weder das eine noch das andere. 

Zum offenen Brief von Professr Dr. U.R. Kleeberg (pdf-Datei)
Zum Beitrag von Jörg-Dietrich Hoppe, Volker Lipp und Alfred Simon (Link)



Aus Anlass der seit längerem geführten Diskussion und aufgrund des bevorstehenden 114. Deutschen Ärztestages Ende Mai möchte der DHPV gemeinsam mit seinem Wissenschaftlichen Beirat die zahlreichen Fragen und Probleme zu diesem Thema mit dem Vizepräsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery, sowie weiteren Expertinnen und Experten eingehend diskutieren. Die Veranstaltung findet am 9. Mai von 15.30 Uhr bis 18. 30 Uhr in Berlin statt. Weitere Informationen erhalten Sie im Programm (pdf-Datei).

Zurück