Aktuelles > News > Detail

Interview mit Ulla Schmidt

04.04.2011 - 12:00

Schirmherrin der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung, MdB, Bundesministerin a.D.

Im vergangenen Jahr wurde die Deutsche Hospiz- und PalliativStiftung als selbstständige Stiftung vom Deutschen Hospiz- und PalliativVerband gegründet. Anliegen der Stiftung ist es, das Bewusstsein der Gesellschaft für das Leid der schwerstkranken und sterbenden Patientinnen und Patienten, ihrer Familien, Freunde und Bekannte zu erhöhen. Es werden Projekte initiiert, die die Hospiz- und Palliativarbeit weiter voran bringen. Schwerpunktprojekt der Stiftung ist der Aufbau und der Betrieb der Deutschen Hospiz- und PalliativAkademie. Schirmherrin der Stiftung ist Ulla Schmidt, MdB und Bundesministerin a.D.

DHPV: Sehr geehrte Frau Schmidt, Sie haben sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung zu übernehmen. Was motiviert Sie?

Ulla Schmidt: Artikel 1 des Grundgesetzes lautet, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie muss bis zum letzten Atemzug gelten. Dafür werde ich immer kämpfen. Jeder Mensch verdient die bestmögliche Obhut und Fürsorge, wenn sich das Leben zu Ende neigt und jeder Mensch verdient die nach aktuellem Erkenntnisstand beste Palliativversorgung, wenn er Schmerzen hat.

DHPV: Welche Bedeutung messen Sie der bundesweit tätigen Stiftung in diesem Bereich bei?

Ulla Schmidt: Die Stiftung ist ein wichtiger Akteur zur Verbreitung der Hospizkultur in Deutschland. Sie trägt durch ihre Arbeit wesentlich zur Stärkung eines allgemeinen Bewusstseins für die letzte Lebensphase und zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei. Sie ist ein wichtiger Partner für die Politik und die Engagierten in der Hospizbewegung.

DHPV: Die Stiftung will das Bewusstsein der Gesellschaft für das Leid der schwerstkranken und sterbenden Menschen und der ihnen nahe stehenden Personen erhöhen. Welchen Beitrag kann heute jede und jeder Einzelne aus der Gesellschaft leisten, damit ein Sterben in Würde gelingen kann?

Ulla Schmidt: Wenn ein geliebter Mensch schwer erkrankt, ist es wichtig, Zeit zu haben, um dem anderen zur Seite zu stehen. Damit kann jeder Einzelne in seinem persönlichen Umfeld zu einer Stärkung der Hospizkultur beitragen. Es gibt aber auch viele Menschen, die sich engagieren und sterbende Menschen begleiten, mit denen sie nicht verwandt oder befreundet sind. Vor diesen Menschen habe ich höchsten Respekt. Sie brauchen alle Unterstützung, damit sie genügend Kraft haben, diese schwere Aufgabe zu bewältigen. Auch hier wird die Stiftung tätig, wenn sie mit der Deutschen Hospiz- und PalliativAkademie Information und Fortbildung für Ehrenamtliche und alle in der Hospizarbeit engagierten Berufsgruppen anbietet.

DHPV: Als Abgeordnete und ehemalige Bundesministerin kennen Sie zudem das politische Leben sehr gut. Worin liegt die besondere Verantwortung der Politik, wenn es um die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen geht?

Ulla Schmidt: Eine soziale Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Der Gesetzgeber muss dazu die Rahmenbedingungen schaffen. Die Menschen, die in Hospizen wertvolle Arbeit leisten, sind dabei wichtige Partner, um zu erreichen, dass kein Sterbender oder Schwerstkranker alleine gelassen wird, unabhängig davon, ob dieser Mensch eine Familie hat oder nicht. Für mich ist wichtig, dass Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben und auch sterben dürfen. Wir haben dazu als Gesetzgeber wichtige Grundsteine gelegt wie z. B. den gesetzlichen Anspruch auf spezialisierte ambulante Versorgung und die Verbesserung der Finanzierung der stationären Hospize und der ambulanten Hospizdienste. Diese Versorgungsstrukturen müssen weiter ausgebaut werden.

DHPV: Frau Schmidt, was wünschen Sie sich für die Zukunft der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung?

Ulla Schmidt: Ich wünsche mir, dass viele Menschen darauf aufmerksam werden, was für eine wichtige gesellschaftliche Arbeit diese Stiftung leistet und ich wünsche mir, dass wir immer mehr Menschen für die Hospizbewegung gewinnen, damit das Sterben als letzte Lebensphase von der Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern auch bewusst gestaltet wird. Die meisten Menschen haben keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben. Diese Angst zu nehmen, ist eine der wichtigsten Aufgaben.

DHPV: Sehr geehrte Frau Schmidt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview für den DHPV führte Dr. Julia von Hayek.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der Deutschen Hospiz- und PalliativStiftung.

Zurück